Bünker: „Religion für Wahlkampfzwecke missbraucht“

Religionsgemeinschaften entsetzt über Online-Spiel der steirischen FPÖ

Wien (epd Ö) – Entsetzt und betroffen haben Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften auf das Online-Spiel der steirischen FPÖ reagiert. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Graz wegen des Tatbestands der Verhetzung und der Herabwürdigung religiöser Lehren ein Ermittlungsverfahren gegen das so genannte Anti-Minarett-Spiel eingeleitet. Dort kann der Spieler per Mausklick Muezzine und Minarette bekämpfen.

 

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sieht durch das Spiel einen gesellschaftlichen Konsens in Frage gestellt. Hier würden „in einer besonders verabscheuungswürdigen Form zentrale Inhalte einer Religion für Wahlkampfzwecke missbraucht und instrumentalisiert“, dagegen hätten Kirchen sich immer zu Wort gemeldet. „Da kann man nur ganz deutlich die Stimme erheben und sagen: Das ist unmöglich, so geht das nicht“, erklärte Bünker am Mittwoch, 1. September, im Ö1-Mittagsjournal.

 

Deutlich abgelehnt hat das Spiel auch der steirische römisch-katholische Diözesanbischof Egon Kapellari. Das Spiel gefährde das Zusammenleben in einer gemeinsamen Kultur und hebe die „Schranke des interreligiösen Respekts“. Bestehende Probleme mit dem Islam müssten „tabulos angesprochen“ werden, „aber nicht auf diese Art und Weise“.

 

Nicolae Dura, Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, bezeichnete das Internetspiel als ein „Spiel mit dem Feuer“. Man dürfe nicht mit solchen gefährlichen Spielzeugen spielen, so der Bischofsvikar der Rumänisch-orthodoxen Kirche.

 

Auch die „Plattform Christen und Muslime“ verurteilte am Mittwoch „mit Abscheu“ den „neuerlichen Versuch der steirischen FPÖ, durch muslimfeindliche Hetze politisches Kleingeld zu kassieren“. Das Anti-Minarett-Spiel komme einer indirekten Aufforderung zur Gewalt gleich, heißt es in einer Stellungnahme des Plattform-Mitgründers Paul Schulmeister.

ISSN 2222-2464