Bünker: „Reformation ist viel mehr als Luther“

Bischof Michael Bünker übt in der Tageszeitung "Der Standard" Kritik an der heimischen Politik: „Eine Ursache ist wohl, dass politisch oft genug, je nachdem, welche Stimmung gerade herrscht, das Fähnchen in den Wind gehängt wird.“ (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Bischof Michael Bünker übt in der Tageszeitung „Der Standard“ Kritik an der heimischen Politik: „Eine Ursache ist wohl, dass politisch oft genug, je nachdem, welche Stimmung gerade herrscht, das Fähnchen in den Wind gehängt wird.“ (Foto: epdÖ/M. Uschmann)

„Willkommenskultur“ sei nicht zu Ende gekommen

Wien (epdÖ) – Über das Reformationsjubiläum 2017, „Hate-Speech“ im Internet und Heuchelei in der Politik sprach Bischof Michael Bünker in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ vom 22. Oktober.

„Wir feiern ja nicht Luther als Person, sondern die Reformation. Und die Reformation ist viel mehr als Luther. Obwohl sie sich herausragend mit seinem Wirken und Leben verbindet“, skizziert Bünker den Inhalt des bevorstehenden Reformationsjubiläums 2017. Gleichzeitig betont Bünker in dem Gespräch, dass die Schattenseiten des Wittenberger Reformators nicht ausgeblendet, sondern im Gegenteil seit vielen Jahren aufgearbeitet werden. „Wir beleuchten die Schattenseiten von Luther schon seit Jahren. Etwa seine Stellung im Bauernkrieg, seine Äußerungen gegenüber dem so genannten linken Flügel der Reformation und natürlich in erster Linie und am verhängnisvollsten die von Ihnen erwähnten Judenschriften. In der Erklärung ‚Zeit zur Umkehr‘, die die Generalsynode in Österreich 1998 beschlossen hat, heißt es nicht nur, dass wir uns von diesen Luther-Schriften distanzieren, wir ‚verwerfen‘ sie.“

Angesichts der aktuellen Lage rund um das Thema Flüchtlinge glaubt Bünker nicht, dass die so genannte „Willkommenskultur“ zu Ende sei. „Da bin ich anderer Ansicht. Viele evangelische Gemeinden sind in Flüchtlingsprojekten engagiert. Da ist überhaupt nichts gekippt, ganz im Gegenteil.“ Gekippt seien in der Flüchtlingsfrage hingegen die Politik und die Medien. „Eine Ursache ist wohl, dass politisch oft genug, je nachdem, welche Stimmung gerade herrscht, das Fähnchen in den Wind gehängt wird.“ Angesichts der Tatsache, dass auch immer öfter Ehrenamtliche sowie Pfarrerinnen und Pfarrer im Netz beschimpft und beleidigt werden, fordert Bünker Initiativen gegen „Hate-Speech“ im Internet.

Das gesamte Interview können Sie im Internet nachlesen.

ISSN 2222-2464