Bünker: Plädoyer für einen unabhängigen ORF

"Der ORF dient auch der Religionsfreiheit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Kulturgut, das das muss." Bischof Bünker bei der Kundgebung für einen unabhängigen Rundfunk am Wiener Karlsplatz. Foto: epd/M. Uschmann
"Der ORF dient auch der Religionsfreiheit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Kulturgut, das das muss." Bischof Bünker bei der Kundgebung für einen unabhängigen Rundfunk am Wiener Karlsplatz. Foto: epd/M. Uschmann

Gegenkundgebung anlässlich Medienenquete der Bundesregierung

Wien (epdÖ) – Ein Plädoyer für einen unabhängigen ORF hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker gehalten. Bei einer Kundgebung am Wiener Karlsplatz am Mittwoch, 6. Juni, sagte Bünker, der öffentlich-rechtliche Rundfunk brauche Rückhalt bei allen, denen „Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, gesellschaftlicher Zusammenhalt“ Anliegen seien. Anlass der von der Plattform „Wir für den ORF“ initiierten Kundgebung war die am Donnerstag, 7. Juni, startende Medienenquete der Bundesregierung, die eine Neuordnung der österreichischen Medienpolitik einläuten soll.

Der ORF, so Bünker, diene in seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag zudem der Religionsfreiheit. Das täten auch private Sender, „aber als öffentlich-rechtliche Einrichtung ist der ORF ein Kulturgut, das das muss.“ Mit seinem gesamtgesellschaftlichen Auftrag leiste der Rundfunk auch einen Beitrag zur Religionskritik und könne so Religionen „zur Selbstkritik ermutigen“.

Im Rahmen der mehrstündigen Kundgebung sprachen auch zahlreiche VertreterInnen aus Medien, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und NGOs. Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger bezeichnete in seinem Statement den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als „Basis der Demokratie“. VerfechterInnen der Marktlogik wollten, dass der ORF seine Unabhängigkeit verliere: „Sie wollen keine BürgerInnen, sie wollen KonsumentInnen“. Die Philosophin Isolde Charim verwies darauf, dass es für Objektivität unabhängige Information und den Glauben an sie brauche. Wo die Glaubwürdigkeit untergraben werde, gehe auch die Objektivität verloren. Unter den weiteren RednerInnen fanden sich zum Beispiel Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der Bildenden Künste, Rubina Möhring von „Reporter ohne Grenzen“ oder Monika Salzer von den „Omas gegen rechts“.

Mit der zweitägigen Medienenquete am 7. und 8. Juni will die Bundesregierung laut eigenen Angaben „einen echten, sachlichen und ernsthaften medienpolitischen Diskurs in Österreich – abseits tagespolitischer Ereignisse und mit dem Fokus aufs Wesentliche“ anstoßen. Das sei die Stärkung des Medienstandortes Österreich und die Sicherung der österreichischen Identität in der Medienwelt der Zukunft. KritikerInnen sehen in den politischen Umstrukturierungsplänen unter anderem eine finanzielle Stärkung privater Medien zu Ungunsten des ORF und orten einen parteipolitischen Umbau der ORF-Redaktionen.

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ISSN 2222-2464