Bünker: „Missbrauch religiöser Themen“

Mit der FPÖ-Kampagne wurde im Wahlkampf „ganz bestimmt eine Grenze überschritten“, meint der evangelisch-lutherische Bischof.

Wien (epd Ö) – Die kirchliche Kritik an der FPÖ-Wahlkampagne reißt nicht ab. „Hier werden von einer politischen Partei religiöse Themen aufgegriffen und ausschließlich für politische Zwecke missbraucht“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einem Interview für die „Kleine Zeitung“ (Freitagausgabe). FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache besitze nicht die Legitimation, für religiöse Anliegen zu sprechen.

Der EU-Wahlkampf der FPÖ sorgt für heftige Kritik, nicht nur wegen des Slogans „Abendland in Christenhand“, sondern auch, weil Strache bei einer Demonstration gegen den Bau einer Moschee in Wien mit einem Kreuz aufgetreten war. Auch die FPÖ-Zeitungsinserate, auf denen ein EU-Beitritt Israels in den Raum gestellt und davor gewarnt wird, sorgen für Empörung.

Mit dem Kreuz-Auftritt, so Bünker, sei „ganz bestimmt eine Grenze überschritten worden“. Er sei „froh, dass die Kirchen, der Kanzler und der Bundespräsident klar Stellung bezogen haben“. Der evangelisch-lutherisch Bischof sieht allerdings auch ein „Dilemma“ für die Öffentlichkeit, „denn man fragt sich ja immer, ob man darauf reagieren soll oder nicht“. Es sei zu befürchten, dass Straches Kalkül aufgeht: „Zumindest die Aufmerksamkeit wird erhöht.“ Bereits vor rund zehn Tagen hatten die Superintendentin und die Superintendenten der sieben lutherischen Diözesen das FPÖ-Plakat scharf kritisiert. Davor hatte schon der Ökumenische Rat der Kirchen die „Antibotschaft zum Christentum“ verurteilt.
www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/1978779/index.do

In Verbindung stehende Informationen:
„Plattform Christen und Muslime“ verurteilt FPÖ-Kampagnen – 20.05.2009 12:32
Nach Ebensee: Mauthausen Komitee fordert Bildungsoffensive und Beratungsstellen – 15.05.2009 13:00
Oberkirchenrat Kneucker: EU ist nicht „das Abendland“ und ist nicht „christlich“ – 15.05.2009 12:09
SuperintendentInnen: Religion nicht für durchsichtige politische Interessen missbrauchen – 13.05.2009 16:08
Kirchen gegen FP-Plakat zur Europawahl – 06.05.2009 16:34

ISSN 2222-2464