Bünker, Maurer und Henner im Gespräch über die Bibel

v.li.: Jutta Henner, Michael Bünker und Thomas Maurer beim Gespräch über die Bibel
v.li.: Jutta Henner, Michael Bünker und Thomas Maurer beim Gespräch über die Bibel

Reihe „Evangelisch für Neugierige“ eröffnet

Wien (epd Ö) – „Die Bibel – ein großes Welttheater?“ hieß der Abend mit Bischof Michael Bünker, dem Kabarettisten Thomas Maurer und Jutta Henner, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft, in der neuen Reihe „Evangelisch für Neugierige“. Zu dem Gespräch hatten der ORF, die Evangelische Akademie Wien und die evangelische Kirche am 12. Jänner in das ORF KulturCafé in Wien eingeladen. „Die Heilige Schrift ist ein Kräutlein; je mehr du es reibst, desto mehr duftet es.“ Mit diesem Luther-Zitat eröffnete Bischof Bünker den Gedankenaustausch. Es gebe die Duftkräuter für Parfums, es gebe Heilkräuter und es gebe auch die galligen Kräuter. „Mal sehen, vielleicht ist der Kräutergarten ein ganz passendes Bild für das, was wir in der Bibel finden.“ Die Bibel sei für Evangelische die einzige und oberste Autorität, deswegen werde die Reihe „Evangelisch für Neugierige“ zu Recht mit der Bibel begonnen. „Mir brennt es in den letzten Jahren nicht so auf der Seele, mich mit diesem Buch zu beschäftigen“, erwiderte Maurer.

Maurer: „Viel los in der Bibel“

Gleichwohl sei die Überschrift des Abends „sicher zu bejahen“, sei in der Bibel „doch eine Menge los: Es gibt Wunder, Frauen werden in Salzsäulen verwandelt und ganze Städte eingeäschert.“ Er habe allerdings den Eindruck, man müsse „einen Urgeschichtler, einen Diplomaten und einen Bibelwissenschaftler dabeihaben“, um dahinterzukommen, was in der Bibel gemeint sei. „Daher ist der unmittelbare Erkenntnisgewinn und der Zuwachs an Trost bei der Bibellektüre doch überschaubar.“ Hier könne eine Bibel mit Erklärungen oder eine andere Bibelübersetzung Abhilfe schaffen, entgegnete Henner. „Aber natürlich spielt die Bibel, wie so vieles aus der Weltliteratur, in einer anderen Zeit, zwei-, dreitausend Jahre zurück in einer agrarischen Kultur. Die menschlichen Erfahrungen sind aber die gleichen geblieben.“ Die Bibel sei von Haus aus kein Buch, das von Einzelpersonen gelesen wurde, sondern immer auch ein Buch der Kommunikation untereinander, betonte Bünker, und Henner ergänzte, dass am Anfang der Bibel das Erzählen und die Gemeinschaft stünden.

„Mein persönliches Problem mit der Bibel ist: Wenn das ein religiöses und letztlich geoffenbartes Buch ist, dann stimmt es entweder oder es stimmt nicht“, widersprach der ehemalige Ministrant Maurer. Im Großen und Ganzen sollte das einen höheren Wahrheitsgehalt haben, „als wenn ich mich hinsetze und ein Buch schreibe“. „Wir finden es angemessen, dass wir mit unserer Heiligen Schrift so umgehen, dass wir sie auslegen, in Frage stellen, dass wir sie eben nicht als wortwörtlich, als die Wahrheit, die in den Buchstaben steckt, verstehen, sondern dass wir immer auf der Suche sind nach dem, was uns anspricht“, antwortete Bünker. Maurer wieder: „Die unangenehmen Sachen stammen vielleicht aus der damaligen Zeit, aber wie suche ich mir aus, was stimmt?“

Moderiert wurde der Abend von Doris Appel, Leiterin der Abteilung Religion im ORF-Radio, für die Musik sorgte das Jazz Music Ensemble der Johann Sebastian Bach Musikschule.

ISSN 2222-2464