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Bünker: Leben auf Grund der Heiligen Schrift als „Markenzeichen“ der Evangelischen Kirche

Von links: Landeskurator Horst Lattinger, Bischof Michael Bünker, Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Synodenvorsitzender H.B. Lauri Hätönen
Von links: Landeskurator Horst Lattinger, Bischof Michael Bünker, Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Synodenvorsitzender H.B. Lauri Hätönen

Design. Bischof Bünker und design. Landessuperintendent Hennefeld zu den seelsorgerlichen und sozialen Zielen ihrer Arbeit – Landeskurator Lattinger und Synodenpräsident Hätönen zu den Chancen der Neuwahlen

Wien (epd Ö) – Die Forderungen nach wirksamen Schritten in der Armutsbekämpfung und nach einer Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie für Männer und Frauen sowie die Problematik der Pflege und der Pflegesicherung sind nach Auffassung des neu gewählten Bischofs der Evangelischen Kirche A.B. Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker die wichtigen Bereiche, in denen die Evangelische Kirche ihre Stimme erheben soll.

Bei einer Pressekonferenz in Wien am 4. Juni, in der er seine Ziele erläuterte, betonte Bünker, das Leben auf Grund der Heiligen Schrift sei ein „Markenzeichen“ der Evangelischen Kirche: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass dieses Markenzeichen deutlicher umgesetzt werden kann.“ Damit, so Bünker, hänge auch der große Wert zusammen, der in der Evangelischen Kirche auf die Gewissensfreiheit gelegt werde. Das führe zu Unterschiedlichkeit, gelegentlich auch Gegensätzlichkeit der Meinungen und zu Erfahrungen, die eine Kirche im Umgang damit gewinne. „Eine Kompetenz, die die heutige Gesellschaft zunehmend benötigt“, bemerkte Bünker.

Der neu gewählte Bischof, der sein Amt zu Beginn des kommenden Jahres antritt, tritt für eine „missionarische Kirche“ ein, die „einladende und gastfreundliche Kirche in allen Lebensbereichen“ ist. Das gelte auch für die Ökumene. In diesem Zusammenhang bezeichnete Bünker die ökumenische Situation in Österreich als „vorbildlich und unvergleichlich“. Zugleich erinnerte er auch an das „bunte Spektrum evangelischer Kirchlichkeit“, das sich in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zeige, deren Generalsekretär er ist.

Für öffentliche Bibelgespräche

Im Gespräch mit den Journalisten äußerte Bünker die Absicht, in seiner Kirche „etwas typisch Evangelisches“ einzuführen, „nämlich eine Bibelstunde“. In diesem öffentlichen Bibelgespräch könne es eine Auseinandersetzung geben zu Themen etwa der Wirtschaftsethik oder der Sozialethik. Kommentare oder gar Einmischung in die Tagespolitik seien „nicht die ursprüngliche Aufgabe der Kirchen, aber leider manchmal notwendig“.

Zur zahlenmäßigen Entwicklung der Evangelischen Kirche A.B. sagte der neu gewählte Bischof: „Ich will mich nicht abfinden mit dem Rückgang der Mitgliederzahlen unserer Kirche“, betonte aber zugleich, dass dies nicht das Einzige sei, was eine Kirche ausmache. „Ich will nicht den Rückgang verwalten, sondern eine wachsende Kirche“, so Bünker. Zusammenfassend erklärte der designierte Bischof: „Einsetzen möchte ich mich für eine Kirche, die der Reform bedürftig und fähig ist.“ Ein aus dem Evangelium gelebtes Leben sei auch für säkulare Menschen attraktiv.

Auf Journalistenfragen zum G8-Gipfel in Deutschland zeigte sich Bünker betroffen über die Gewalt, wie sie anlässlich des Gipfels am vergangenen Wochenende in Rostock ausgebrochen ist. Von Seiten der Kirchen müsse es eine „deutliche Absage an jegliche Form von Gewalt geben“. Zugleich aber äußerte der designierte Bischof Verständnis für die Kritikpunkte an dem Gipfel, denn es sei „durchaus kritisch anzufragen, ob einige wenige Menschen die Weltprobleme lösen können und dies auch noch ohne dass die ärmsten und die betroffenen Menschen mit am Tisch sitzen“.

Angesprochen auf das Verhältnis der Kirchen zum Islam hielt Bünker fest, die Kirchen müssten ihre Stimmen erheben gegen unbegründete Vorurteile, wie sie gegen den Islam laut werden.

Lattinger: „Wir können aus dem Vollen schöpfen“

„Es ist ein gutes Zeichen, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann“, sagte der Landeskurator der Evangelische Kirche A.B., Hofrat Dr. Horst Lattinger auf der Pressekonferenz. Lattinger drückte seine Freude aus über die fünf „sehr kompetenten und profilierten Kandidaten“, die sich der Wahl am 1. Juni gestellt hatten. Michael Bünker habe sich bei der Wahl „souverän durchgesetzt“.

Lattinger, der das höchste weltliche Amt in der Evangelischen Kirche A.B. innehat, hob hervor, in der Evangelischen Kirche in Österreich müsse auch bei einer Bischofswahl möglichst die Basis eingebunden werden. Das geschehe durch Vorschläge der Pfarrgemeinden, auf denen die Nominierungen der Superintendentialversammlungen an die wählende Synode basierten.

Landessuperintendent Hennefeld: Kein Schweigen zum neoliberalen System

„Sie sehen hier die Vertreter zweier Evangelischer Kirchen an einem Tisch sitzen, und das ist ein Zeichen unserer guten Zusammenarbeit“, sagte der designierte Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B., Mag. Thomas Hennefeld, bei der Pressekonferenz. Diese Zusammenarbeit habe durchaus auch „Modellcharakter für Europa, wie zwei unterschiedlich große Kirchen zusammenarbeiten können“. Das Amt des Landessuperintendenten sei allerdings nicht wie das eines Bischofs mit kleinerer Herde, so der Repräsentant der rund 14.000 Evangelischen H.B. in Österreich. „Der Landessuperintendent hat eher eine Verwaltungsfunktion, aber es ist natürlich wichtig, dass eine Kirche nach außen sichtbar ist.“ In seinem neuen Amt sei er auch als Mediator und Sprachrohr zu verstehen.

Kirche müsse immer auch für Randgruppen da sein und nicht nur für sich selbst: „Kirche ist immer auch Kirche für andere, und daher müssen wir unsere Stimme erheben, wenn von Wirtschaftswachstum die Rede ist. Wir müssen fragen, was das für die Schwachen und die Armen heißt.“ Schweigen zum neoliberalen System „stellt die Integrität unseres Glaubens in Frage“. Ebenso habe eine Kirche immer auch Verantwortung für Minderheiten. So ist Hennefeld der festen Überzeugung, dass Muslime eine „Chance und Bereicherung für unsere Gesellschaft sind und der Dialog mit dem Islam enorm wichtig ist.“

Thomas Hennefeld wurde am 31. Mai von der Synode der Evangelischen Kirche H.B. mit 17 von 21 Stimmen zum Landessuperintendenten gewählt. Er tritt sein Amt am 1. September als Nachfolger von Wolfram Neumann an, der aus Altersgründen ausscheidet.

Hätönen: Landessuperintendenten entlasten

„Das Amt des Landessuperintendenten ist ein Nebenamt“, erklärte der Synodenvorsitzende der Evangelischen Kirche H.B., Lauri Hätönen. Der Landessuperintendent sei immer auch zugleich Gemeindepfarrer. „Um ihn für sein Amt als Landessuperintendent etwas zu entlasten, haben wir daher nach langer Diskussion das Amt der Landespfarrerin bzw. des Landespfarrers eingerichtet.“ So könne Hennefeld sich verstärkt seinen neuen Aufgaben widmen, wie etwa der Vertretung der Kirche nach außen, der Aufsicht über die kirchliche Ordnung oder dem Vorsitz des Oberkirchenrates H.B.

O-Ton im evang-Podcast: „Bünker: Für eine offene und engagierte Kirche“

O-Ton im evang-Podcast: „Hennefeld: Das reformierte Profil schärfen“

ISSN 2222-2464