Bünker: Kirchengemeinschaft ist Ziel der Ökumene

Ökumenische Fachtagung und Festveranstaltung anlässlich 40 Jahre Ökumenismusdekret

Wien (epd Ö) – „Die Kirchengemeinschaft ist das Ziel der Ökumene nach lutherischem Verständnis“, sagte der lutherische Oberkirchenrat Hon. Prof. Dr. Michael Bünker in seinem Referat bei der Ökumenischen Fachtagung „Geist und Sinnesart der getrennten Schwestern und Brüder kennen“ anlässlich des 40-jährigen Jahrestages des Ökumenismusdekrets des 2. Vatikanischen Konzils am vergangenen Freitag im kardinal-könig-haus in Wien. Bünker betonte in seinem Referat „Das Modell Leuenberg. Vom Wert der Unterschiede“, dass es zweifellos eine „Hierarchie der Wahrheiten“ gebe, „die zu differenzierten Konsensen führen kann.“ Dies müsse im Einzelnen geprüft werden, um über solche „nicht trennenden Differenzen zu einer vorläufigen Kirchengemeinschaft zu kommen“. Voraussetzung dafür sei die gegenseitige Anerkennung als Kirchen, wofür die Bezeichnung der reformatorischen Kirchen als „Kirchen anderen Typs“, wie es der Präsident des Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, formuliert habe, „hilfreich“ sein kann.

Ziel sei aber die „volle Kirchengemeinschaft, wie es die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen Europas (GEKE) vormache. Kirchengemeinschaft im Sinne Leuenbergs bedeute für die GEKE, wie die Leuenberger Kirchengemeinschaft sich nun nennt, einander Gemeinschaft in Wort und Sakrament zu gewähren bei „Wahrung des eigenen Bekenntnisstandes“. Ein Bekenntnis sei nichts anderes als der „Ausdruck des Verständnisses des Evangeliums, und der kann unterschiedlich sein“.

„Die Spaltung der Kirchen entspricht nicht dem Willen Jesu Christi“, betonte Metropolit Dr. Michael Staikos in seinem Beitrag „Panorthodoxes Zeugnis als Herausforderung“. Daher sei es sehr wichtig, dass Kirchenvertreter miteinander Nachdenkprozesse über die Ökumene und die Kirchengemeinschaft unternehmen: „Mit großem Interesse betrachtet die Orthodoxie die GEKE, denn die Orthodoxie profitiert von dieser Kirchengemeinschaft in den Gesprächen, die wir miteinander führen.“

Krätzl: Schätze der Ökumene keinesfalls rauben lassen

„Was in den letzten 100 Jahren in der Ökumene geschehen ist, ist nicht Menschenwerk, sondern Gottes Werk“, sagte Weihbischof Dr. Helmut Krätzl in seinem Festvortrag „Ökumenismusdekret. Mahnung des Heiligen Geistes“. Es sei der Heilige Geist, der zur Ökumene dränge „und der „Heilige Geist braucht Menschen als Instrumente.“ Daher ermutigte Krätzl ökumenische Zusammenschlüsse in den Gemeinden, weiterzumachen mit der Ökumene: „Ich selbst habe Ökumene gelernt durch Begegnungen mit Menschen aus anderen Kirchen. Es geht in der Ökumene nicht nur um das Gebet füreinander, sondern um das Gebet miteinander.“ Das Geschenk der Ökumene sei den Menschen anvertraut, „und wir tragen es in zerbrechlichen Gefäßen“. So gebe es immer wieder auch „Irritationen, wie etwa die Erklärung Dominus Jesus aus dem Jahr 2000. Wir dürfen uns aber den Schatz der Ökumene nicht rauben lassen, was immer auch kommen mag.“ Es gehe bei der Ökumene auch um die gesellschaftliche Verantwortung, die die Kirchen gegenüber der Gesellschaft übernommen haben. Krätzl verwies dabei auf das Sozialwort oder die Mitarbeit der Kirchen im Verfassungskonvent.

Moderiert wurden die Fachtagung und die Festveranstaltung von der Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Oberin Christine Gleixner.

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa: 103 Mitgliedskirchen

103 Unterzeichnerkirchen der Leuenberger Konkordie gewähren einander auf der Grundlage des in der Konkordie dargelegten gemeinsamen Verständnisses des Evangeliums Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Sie verpflichten sich ferner zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene sowie zur theologischen Weiterarbeit. Auf der Vollversammlung in Belfast 2001 hat die Leuenberger Kirchengemeinschaft für sich den seit dem 1.11.2003 gültigen neuen Namen „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) gefunden.

ISSN 2222-2464