Bünker: Kirchen wollen am menschlichen Bedarf orientierte Wirtschaft

Kritik an Versuchen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise: „Brandstifter am Steuer des Löschzugs“

Wien (epd Ö) – Deutliche Kritik an den derzeitigen Versuchen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise kommt vom evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker. In einem Interview für die Tageszeitung „Der Standard“ (Samstagausgabe) appellierte Bünker an die politisch Verantwortlichen, mehr „in Soziales zu investieren als in irgendwelche Banken“. Die derzeitigen Strategien zur Krisenbewältigung wertete der Bischof als „absurd“: „Die Brandstifter werden jetzt zu Feuerwehrhauptmännern ernannt und sitzen am Steuer des Löschzugs“, so Bünker wörtlich.

Die Kirchen, so Bünker, treten ein für eine „am menschlichen Bedarf orientierte“ Wirtschaft und ein Modell, in dem „Risiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit die Menschen in ihrer Existenz nicht bedrohen bzw. durch die Solidarität der Gesellschaft abgefangen werden“. Wirtschaftsethik entstehe dort, „wo man nicht nur an sich selber denkt, sondern den anderen in den Blick bekommt“, erklärte der Bischof unter Verweis auf das Ökumenische Sozialwort der christlichen Kirchen in Österreich. In Zukunft sollten Gesetze nicht nur auf Umwelt-, sondern auch auf Sozialverträglichkeit überprüft werden, forderte Bünker.

Gefragt seien derzeit „nicht Wege aus der Krise, sondern in der Krise“, so der lutherische Bischof. Erstes Ziel sei, „die Angst der Menschen vorm Fall ins Bodenlose aufzufangen“. Mittel dafür sieht Bünker etwa in der Einführung der Mindestsicherung, aber auch in der Regelung von Bereichen wie Pflege oder Kindererziehung über die Gesamtwirtschaft statt über den Markt.

„Gier hat es immer gegeben“

Vor allem „moralische Worthülsen“ sieht der evangelisch-lutherische Bischof in der Debatte über den Götzendienst am Geld oder die Gier als Hauptursachen der Krise. „Die Gier hat es immer gegeben“, meinte Bünker und verwies stattdessen auf Überlegungen von Karl Marx. Dieser habe „einen interessanten Punkt getroffen mit der Beobachtung, wenn man das Geld sieht, sieht man die Arbeit der anderen oder das, was wir der Natur weggenommen haben. Das sehen wir heute ja nicht mehr. Wir sehen Zinsen, Anlagen, Spekulationen, aber keine konkrete Arbeit dahinter. Wenn wir dann all das, was an Finanzspritzen gezahlt worden ist, zurückzahlen müssen, dann wird man die Arbeit dahinter schon wieder merken.“

ISSN 2222-2464