Bünker: Juden und Christen gemeinsame Stimme für Menschenfreundlichkeit

Der diesjährige Radiogottesdienst zum Reformationstag kam aus der Wiener Christuskirche. Foto: epd/Uschmann
Der diesjährige Radiogottesdienst zum Reformationstag kam aus der Wiener Christuskirche. Foto: epd/Uschmann

Radiogottesdienst zum Reformationstag aus Wien-Favoriten

Wien (epdÖ) – Auf die enge Verbindung von ChristInnen und JüdInnen hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker anlässlich des diesjährigen Reformationstages am Mittwoch, 31. Oktober, hingewiesen. „Gemeinsam wollen wir – Juden und Christen – eine starke Stimme für die Menschenfreundlichkeit und für ein gutes Zusammenleben in der heutigen Gesellschaft sein“, sagte Bünker im Rahmen eines live in den ORF-Radios übertragenen Gottesdienstes in der evangelischen Christuskirche in Wien-Favoriten. „Unsere Religionen verpflichten uns, Fremde zu lieben, die Schöpfung zu bewahren und eine gerechte Gesellschaft zu gestalten.“ Damit nahm Bünker auch Bezug auf eine Erklärung, die der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Israelitische Kultusgemeinde Wien kürzlich veröffentlicht hatten, um an die nationalsozialistischen Novemberpogrome zu erinnern, die sich dieses Jahr zum 80. Mal jähren.

„Als Kirche mitschuldig an dem Menschheitsverbrechen der Shoah“

Der Apostel Paulus habe die Botschaft vermittelt, so Bünker in seiner Predigt, dass Christus für alle da sei: „Alle Unterschiede sind in ihm aufgehoben, alle religiösen, alle sozialen, alle ethnischen Unterschiede trennen nicht mehr. Auch die Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden sind für ihn aufgehoben.“ Dennoch habe Paulus sein Ziel nicht erreicht. Vielmehr habe sich das Christentum bald von seinen jüdischen Wurzeln gelöst, ein christlicher Antijudaismus sei entstanden, dem auch der Reformator Martin Luther verfiel. Historisch habe dieser christliche Antijudaismus in einen rassischen Antisemitismus geführt: „Deshalb wissen wir uns als Christinnen und Christen, als Kirche, auch mitschuldig und mitverantwortlich an dem Menschheitsverbrechen der Shoah, der millionenfachen Ermordung von jüdischen Frauen, Männern und Kindern im Nationalsozialismus.“

Aufruf zur Wachsamkeit

Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse im US-amerikanischen Pittsburgh, wo ein Amokläufer am Samstag, 27. Oktober, elf Menschen während eines Gebets in einer Synagoge ermordet hatte, zeigte sich Bünker „erschüttert und empört, dass es auch heute wieder zu antisemitischen Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden kommt.“ Gleichzeitig rief er zur Wachsamkeit auf: „Es beginnt mit Worten, mit Naziliedern und Schmieraktionen und endet mit schrecklichen Taten.“ Abschließend forderte der Bischof „eine Kultur, die sich Ausgrenzung und Hass, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenstellt“.

Gemeinsam mit Bischof Bünker feierten den Gottesdienst in der Christuskirche Ortspfarrer und Senior Michael Wolf und Pfarrerin Heike Wolf. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Chor der Studienrichtung Kirchenmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unter der Leitung von Ingrun Fussenegger gestaltet.

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ISSN 2222-2464