Bünker: „Jeder muss Recht auf Schutz in Anspruch nehmen können“

"Wir brauchen mehr Sicherung für Menschen, die ungesichert sind. Nicht nur für Österreicherinnen und Österreicher, sondern auch für die, die einen rechtlichen Anspruch darauf haben, weil sie ihr Menschenrecht auf Asyl in Anspruch nehmen", das erklärte Bischof Michael Bünker in der ORF-Sendung "Was ich glaube". (Foto: screenshot)
"Wir brauchen mehr Sicherung für Menschen, die ungesichert sind. Nicht nur für Österreicherinnen und Österreicher, sondern auch für die, die einen rechtlichen Anspruch darauf haben, weil sie ihr Menschenrecht auf Asyl in Anspruch nehmen", das erklärte Bischof Michael Bünker in der ORF-Sendung "Was ich glaube". (Foto: screenshot)

Menschenrecht auf Asyl könne nicht durch Obergrenzen bemessen werden

Wien (epdÖ) -„Der Glaube, dass mit einer festgelegten Zahl ein Problem plötzlich bewältigbar wird, von dem wir alle wissen, dass es so nicht bewältigbar sein wird, diesen Glauben zu erwecken, halte ich für sehr problematisch. Ich denke, eine verantwortungsbewusste Politik sollte einen anderen Weg einschlagen“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker am 24. Jänner in der ORF-Sendung „Was ich glaube“. In der Debatte rund um Richtwerte und Obergrenzen bezüglich der Aufnahme von Flüchtlingen in Österreich sieht Bünker ein Zeichen der Hilflosigkeit seitens der Politik. Gleichzeitig würde der falsche Eindruck vermittelt, es könne ein Nationalstaat mit einer politischen Aktion den Flüchtlingsstrom aufhalten. „Die Fluchtgründe werden damit nicht beseitigt“, bringt es der Bischof auf den Punkt. „Notwendig wäre es, den Menschen vor Ort zu helfen. Aber das von der Europäischen Union versprochene Geld ist noch nicht geflossen“, so Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist.

Bünker erklärte, dass es die Aufgabe von Staaten sei, die Grenzen zu schützen und auch zu kontrollieren, wer ins Land einreise. Allerdings könne sich das Menschenrecht auf Asyl nicht nur durch festgelegte Obergrenzen bemessen lassen, vielmehr gelte es unabhängig davon für alle Menschen. „Jeder muss dieses Recht auf Schutz in Anspruch nehmen können!“

Als „verhängnisvoll“ bezeichnet Bünker die Tendenz, die existenziellen Probleme der österreichischen Bevölkerung und die Lage von Menschen auf der Flucht miteinander zu vermengen. „Ich halte nichts davon, dass Asylwerber jetzt dafür instrumentalisiert werden, um über die Mindestsicherung zu diskutieren. Wir brauchen mehr Sicherung für Menschen, die ungesichert sind. Nicht nur für Österreicherinnen und Österreicher, sondern auch für die, die einen rechtlichen Anspruch darauf haben, weil sie ihr Menschenrecht auf Asyl in Anspruch nehmen.“ Einmal mehr betonte Bischof Bünker auch, dass es mit der christlichen Nächstenliebe unvereinbar sei, sich selber auszusuchen, wem geholfen werde und wem nicht. „Der Nächste ist immer der, den uns Gott vor die Füße legt, und wir können uns nicht aussuchen, ob es unser Nachbar ist oder ein Kriegsflüchtling.“

Die ganze Sendung kann noch bis kommenden Sonntag in der tvthek abgerufen werden.

ISSN 2222-2464