Bünker: Hunger ist Verteilungsproblematik

Bischof Michael Bünker: "Staat und Politik nehmen ihre entwicklungspolitische Verantwortung nicht wahr" (Foto: epd/M.Uschmann)
Bischof Michael Bünker: "Staat und Politik nehmen ihre entwicklungspolitische Verantwortung nicht wahr" (Foto: epd/M.Uschmann)

Kirchen müssen sich entwicklungspolitisch engagieren

Linz (epdö) – In Österreich würde jedes Jahr eine Million Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen, in Oberösterreich allein 170.000. Jedes fünfte Stück Brot lande im Müll. Der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln habe einen neuen Höhepunkt erreicht. „Dem gegenüber steht aktuell fast eine Milliarde Menschen in den Entwicklungsländern, die an Hunger und Unterernährung leiden“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker anlässlich eines Pressegesprächs am Aschermittwoch, 22. Februar, in Linz, zu dem die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ eingeladen hatte. „Im Jahr 2000 hat die Weltgemeinschaft die Millenniums-Entwicklungsziele vereinbart und damit vor allem dem Hunger den Kampf angesagt. Doch die Zahl der Menschen, deren täglich Brot nicht ausreichend gesichert ist, stieg seit damals weiter an“, beklagte der Bischof. „Das ambitionierte Ziel für 2015 liegt in weiter Ferne“.

Die steigende Zahl der Hungernden sei aber auch politisch verursacht, ist Bünker überzeugt, denn Hunger sei ein Problem, das an seinen sozialen, politischen und ökonomischen Wurzeln bekämpft werden müsse. „Wir dürfen nicht vergessen: Die Hungerproblematik ist eine Verteilungsproblematik!“ Immer wieder seien Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit von den Regierungen gekürzt worden. Auch die österreichische Bundesregierung habe versprochen, einen Beitrag von 0,7 Prozent des Nationaleinkommens für Entwicklungshilfe auszugeben. Da der österreichische Staat seine Verantwortung aber nicht ausreichend wahrnehme, sei das private und kirchliche Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit besonders wichtig, betonte Bünker. „Wir haben eine Verpflichtung, politisch überlegt zu handeln, das heißt die Menschen so zu unterstützen, dass sie ohne zu hungern in ihrer Heimat bleiben und leben können.“

Derzeit engagiert sich „Brot für die Welt“, die entwicklungspolitische Aktion der Evangelischen Kirchen in Österreich und der Diakonie, in Projekten in Kenia. Das Land leidet unter extremer Dürre. Rund 3,7 Millionen Menschen, darunter viele Kinder, sind von der Trockenheit betroffen. „Dürreperioden, wie sie in Afrika immer häufiger vorkommen, und steigende Lebensmittelpreise machen den Einsatz von Entwicklungshilfeorganisationen nötig“, so Bischof Bünker in Linz.

„Brot für die Welt“ bittet um Unterstützung seiner Hilfsprojekte. Spendenkonto 900 566 00, Bankleitzahl: PSK 60.000

ISSN 2222-2464