Bünker: Frieden auf der Erde gibt es nicht ohne Frieden mit der Erde

Am „Schöpfungstag“ sprachen in Graz Religionsvertreter über globale und ökologische Verantwortung

Graz (epd Ö) – Bei einer ökumenischen Veranstaltung, zu der am „Schöpfungstag“, dem 1. September, das Ökosoziale Forum Steiermark geladen hatte, rief der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker dazu auf, „wieder das Maßhalten zu lernen“. Frieden auf der Erde gebe es nicht ohne Frieden mit der Erde, so der Bischof. Überwindung der Gewalt im menschlichen Zusammenleben werde es nicht geben ohne Überwindung der Gewalt gegenüber Tieren, Pflanzen und natürlichen Lebensgrundlagen.

Weil der ökologische Fußabdruck in den Ländern des Nordens bei 6,4 ha pro Person liege, in den Ländern des Südens jedoch bei nur 0,8 ha, sind „ökologisch gesehen die Länder des Nordens die Schuldner, die Länder des Südens die Gläubiger“, betonte der Bischof im Grazer Schloss St. Martin. Auf diese „ungeheure ökologische Schuld“ wären noch jene 1,3 Billionen US-Dollar aufzurechnen, die die Länder des Südens finanziell dem Norden schulden. Bünker: „Ein Schuldenerlass ist als erster Schritt unabdinglich.“

Der Bischof regte in seiner Predigt bei der abschließenden Vesper dazu an, in der Praxis der Kirchen und Gemeinden den Sabbat-Gedanken stärker aufzugreifen. Sabbat sei das Fest der ganzen Schöpfung. Der ruhende, feiernde Gott, „der nichts tut als sich an seiner Schöpfung zu erfreuen“, spiele in den Kirchen des Nordens kaum eine Rolle. Bünker appellierte an die rund 200 TeilnehmerInnen, „einmal aufzuhören mit allem, was ständig dahin läuft und läuft ohne Überlegung“. Dazu gehöre etwa ein Tag ohne Auto, ohne Konsum, ohne Fernsehen, letztlich nehme auch das gemeinsame Eintreten der Kirchen für einen arbeitsfreien Sonntag diesen Gedanken auf.

Schöpfungsverantwortung sei nicht nur eine Sache des privaten Lebensstils, sondern verlange auch das entschiedene Eintreten dafür in politischen Bereichen, „in denen die Politik auch und gerade bei uns in Österreich säumig ist oder bedenkliche, vielleicht sogar riskante, ja gefährliche Entwicklungen eher herbeiführt statt sie zu verhindern“. Dazu brauche es die Stimmen der Kirchen und das Engagement der christlich motivierten Politikerinnen und Politiker.

In Bezug auf die globale Verantwortung gegenüber der Schöpfung vermöge der Glaube allein gar nichts, es komme wesentlich auf die Lebenspraxis an, betonte der Grazer römisch-katholische Weihbischof Franz Lackner bei der Veranstaltung, an der auch Vertreter nichtchristlicher Religionen teilnahmen. Die Bedeutung der Religionen sehe er darin, so Lackner, dass sie eine breite Plattform unter gläubigen Menschen zugunsten eines „moralischen Erwachens“ bilden könnten. Religionen müssten zur Verbreitung der Tatsache beitragen, „dass unser heutiges Tun Folgen in der Zukunft hat“.

An der zum bereits fünften Mal durchgeführten Veranstaltung nahmen auch Vertreter aus Wirtschaft, Bildung und Politik teil. Der Präsident des Ökosozialen Forums, Josef Riegler, warnte davor, „in die Materialismusfalle“ zu tappen. In einer nachhaltigen Marktwirtschaft gelte es, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

ISSN 2222-2464