Bünker: Der Trauer Ausdruck geben

Bünker: "Mit meinen Gedanken bin ich bei den Angehörigen, den Freunden und den Bekannten der ermordeten Menschen."
Bünker: "Mit meinen Gedanken bin ich bei den Angehörigen, den Freunden und den Bekannten der ermordeten Menschen."

Den Hinterbliebenen beistehen und rassistischem Klima entgegentreten

Wien (epdÖ) – Über das Massaker in Norwegen vom 22. Juli, die Reaktionen der Kirchen, das politische Klima und nicht zuletzt über sein persönliches Empfinden zu der Tat hat der evangelisch-lutherische Bischof mit dem ORF, Abteilung Religion, und dem epdÖ ein Gespräch geführt. „Zu meinem Schrecken, dass mitten im Herzen Europas dieses Massaker geschehen ist, kommt mein Erschrecken über die vielen jungen Opfer. Mit meinen Gedanken bin ich bei den Angehörigen, den Freunden und den Bekannten der ermordeten Menschen“, sagte Bünker in dem Gespräch am 25. Juli in Wien. Den Kirchen käme jetzt die Rolle zu, der Trauer Ausdruck zu geben. „Das ist bereits geschehen mit dem Trauergottesdienst, das ist ein wichtiges öffentliches Signal. Entscheidend ist aber, wie die SeelsorgerInnen und PsychologInnen sich der Trauernden annehmen. Das geschieht bereits, und es geschieht auf eine gute Weise.“

Der Bischof schätzt die Tat als Gewaltakt eines Einzelnen ein, „zugleich steht diese Tat aber im Klima des zunehmenden Rassismus, in zunehmender Islam- und Ausländerfeindlichkeit“. Die evangelischen Kirchen und andere Kirchen auch treten, so Bünker, seit langem gegen den Rechtsradikalismus ein, dies gelte besonders für die Kirchen im östlichen Deutschland. „Es braucht eine deutliche Mahnung gegen rhetorische Entgleisungen in der Politik, und dazu zähle ich etwa die Rede vom ‚wehrhaften Christentum'“. In Norwegen gehören rund 80 Prozent der Bevölkerung der evangelischen Kirche an, so auch der Täter, der sich selbst als „Fundamentalchristen“ bezeichnet hatte. „Dies ist ein krasser Missbrauch von Religion, keine Gewalttat lässt sich mit irgendeiner Religion rechtfertigen“, betonte der Bischof. Er selber sei „zutiefst überzeugt, dass eine religiöse Pluralität viele Gesellschaften prägt und positiv und bereichernd für die Gesellschaft wirkt“.

Beeindruckt zeigte sich Bünker von dem Weg, den der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg nach dem Massaker einschlägt: „Es ist der richtige Weg, nach dieser Tat nicht die Repression zu steigern, sondern für noch mehr Demokratie und Offenheit einzutreten.“

ISSN 2222-2464