Bünker: Christentum ist in besonderer Weise medientauglich

Podiumsdiskussion der Katholischen Medienakademie über das Spannungsfeld Religion und Medien

Wien (epd Ö) – Die Evangelische Kirche verdanke sich einem „Medienereignis“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei einer Podiumsdiskussion über das Spannungsfeld Religion und Medien, zu der am Montagabend, 30. März, die Katholische Medienakademie in das Haus der Industrie in Wien geladen hatte. Der Bischof erinnerte daran, dass Luther die modernen Medien seiner Zeit wie Buchdruck oder Plakate intensiv genützt habe. Religion stehe in „innerem Zusammenhang“ zur medialen Öffentlichkeit, ohne Medien funktioniere Religion nicht, zeigte sich Bünker überzeugt. Das Christentum hält er „in besonderer Weise für medientauglich“, da „Jesus Christus als zentrale Mitte zugleich auch das Medium der Vermittlung“ sei. Dennoch gebe es auch klare „Reibungsflächen“ im Verhältnis Religion – Medien, denn: „Nicht alles, was Religion zu bieten hat, lässt sich durch Personalisierung darstellen, ist Emotion oder lässt sich dramatisieren.“ Insgesamt, so Bünker in der von „Furche“-Herausgeber Heinz Nußbaumer moderierten Diskussion, sollen Religionen offen auf Medien zugehen, ohne Scheu vor heiklen Themen oder politischen Auseinandersetzungen. Kritisch merkte Bünker an, dass in Medien oft von „der Kirche“ gesprochen werde, wenn ausschließlich die Römisch-katholische gemeint sei. Angesichts der verschiedenen Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich würde es den Journalisten „gut anstehen, sich an den Plural zu gewöhnen“, sagte der Bischof.

Dialog statt Abwehrreflex

Der Leiter des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Rabbiner Walter Homolka, forderte, dass sich die Verantwortlichen in den Religionsgemeinschaften mit den Mechanismen der Medienkultur auseinandersetzen müssten und beispielsweise „auch aushalten, wenn etwas von dem Gesagten nicht gebracht wird“. Notwendig sei ein ständiger Dialog, während der „Reflex, dass immer die Medien schuld sind“, schade. Ähnlich argumentierte auch die Vorsitzende des Verbandes katholischer Publizisten, Gabriele Neuwirth. Kirchliche Amtsträger müssten etwas von Medien verstehen, „das gehört einfach zum Job“. Konfliktlinien sieht die vor ihrem Pensionsantritt in der katholischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“ tätige Journalistin in mangelnder Transparenz oder auch im Versagen, „Fehler öffentlich zu bereinigen“. Generell ortet Neuwirth bei kirchlichen Amtsträgern ein „Misstrauen“ gegenüber Medien, das den „korrekten Umgang“ ebenso erschwere wie eine „unverständliche Sprache“. Qualifizierte Berichterstattung benötige auch ausreichend Zeit, was in den Redaktionen oft nicht mehr gegeben sei.

Dass Religion in Printmedien für eine „gute Quote“ sorge, bestätigte Profil-Herausgeber Christian Rainer. Deshalb bringe auch das Wochenmagazin immer wieder religiöse oder kirchliche Themen, „nicht weil die Redaktion so religiös ist“. Die Wertesysteme von Religion und Journalismus sind für Rainer „nicht kompatibel“. Rainer verwehrte sich auch gegen den Vorwurf, Journalisten wären nicht befugt, über religiöse Themen zu schreiben: „Für mich hat Religion keinen Sonderstatus, die Menschenrechte sind entscheidend.“

Scharf kritisierte die Dozentin für Islamische Religionspädagogik in Wien, Amena Shakir, die ihrer Ansicht nach in den Medien vorherrschenden Vorurteile gegenüber dem Islam. Untersuchungen hätten gezeigt, dass das mediale Bild von muslimischen Frauen von drei Stereotypen geprägt sei: Haremsdame, Opfer und Extremistin. Shakir: „Das sind Bilder, mit denen ich als Muslimin in Österreich sehr zu kämpfen habe, weil es keine Differenzierung gibt.“ Wie Neuwirth forderte auch Shakir mehr Professionalität von den Medien ein. „So wie im Sport- oder Wirtschaftsteil einer Zeitung nur Journalisten schreiben, die etwas von der Sache verstehen, muss das auch bei religiösen Themen sein.“ In den Redaktionen wünscht sich Shakir auch „gläubige muslimische Journalisten“. Auch die Innensicht einer Religion müsse in den Medien transportiert werden.

ISSN 2222-2464