Bünker: An die Ökonomie der Jesusbewegung erinnern

Ökumenische Fachtagung „Dienen die Kirchen der Welt und dem Reich Gottes?“

Wien (epd Ö) – „Kirche ist kein Selbstzweck, sie ist vielmehr ein Zeichen hin auf das Reich Gottes und auf der anderen Seite ein Werkzeug, mit dem Gott wirkt in der Welt“, sagte der lutherische Bischof Michael Bünker in seinem Vortrag bei der ökumenischen Fachtagung „Dienen die Kirchen der Welt und dem Reich Gottes?“ am 30. Jänner im Kardinal König Haus in Wien. So sei es eine Bestimmung von Kirche, „vom Anbrechen des Reiches Gottes in der Kirche zu reden und Zeugnis zu geben vom Evangelium“. In Bezug auf die Welt habe die Kirche etwas zu sagen zur Ökonomie und zu den krisenhaften Wirtschaftskämpfen: „Die Kirche muss an die Ökonomie der Jesusbewegung erinnern und eine ‚Ökonomie des Genug‘ aufzeigen.“ Dies solle auch durch die Tat bezeugt werden: „Unser Lebensstil muss sich ändern dahingehend, dass wir mit 2000 Watt Energieverbrauch täglich auskommen.“ Das bedeute beispielsweise, dass man sich nicht mehr jeden Tag die Haare föhnen könne. In der Politik gehe es für die Kirchen darum, eine Kontrolle der Macht auszuüben und die Geltung der Menschenrechte durchzusetzen. „Auch im kulturellen Bereich kann Kirche ihre Kompetenz ausspielen, etwa bei der Bildung oder der Wertschätzung der Kultur gerade auch der Minderheiten.“ Gefordert sei eine öffentliche „Theologie der Zivilgesellschaft“, wie es mit dem Sozialwort der Kirchen bereits geschehen sei.

Verkündigen, was Christus gelebt hat

„Kirche hat zu verkündigen, was Christus ihr vorgelebt hat und das Reich Gottes anzukündigen. Alles andere dient dieser Priorität“, betonte der Fundamentaltheologe Prof. Jürgen Werbick von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster/Westfalen. Dabei gehe es um das Konzept der „diakonalen Präsenz“ und die Frage, was die Kirche der Welt verdanke und nicht nur, was die Welt der Kirche verdanke. „Die weitere Frage lautet: Hat die Kirche ihre Hausaufgaben gemacht oder wieder nur Strukturdebatten geführt?“ Kirche müsse „Biotope der Ermutigung pflegen und eine spirituelle Atmosphäre schaffen. An diesen Orten der Achtsamkeit müssen alle Menschen merken, dass sie willkommen sind als die, die sie sind.“ Zu den Leistungen, die die Kirche der Welt schuldet, gehörten eine „Grundinformation über den christlichen Glauben und Religiosität, eine grundsätzliche Hörbereitschaft für die Anliegen aller Menschen und die Vermittlung der Grunderfahrung, dass alle Menschen angenommen sind“. Denn nach wie vor gelte der Satz: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“

Die Kirche sei die „Verwirklichung des Heilsmysteriums, das die Verstandeskraft übersteigt“, sagte der emeritierte Professor für Geschichte und Theologie der Ostkirchen, Anastasios Kallis. Ein Problem sei die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses, „denn mehr noch als den Problemen der Menschen widmet sich die Kirche nach wie vor ihren eigenen dogmatischen Problemen. So hat sie keine Zeit für die Probleme der Menschen.“ Eine Orthodoxie, die ihrer Geschichte treu bleibe, verteidige nicht alte Bräuche und Systeme, sondern verwirkliche eine „lebendige Gemeinschaft, die hoffnungsvolle Zukunft eröffnet mit Lebensräumen, die barmherzig, flexibel und lebenswirklch gestaltet sind“.

Moderiert hat die ökumenische Fachtagung Univ.-Prof. Rudolf Prokschi, der die Veranstaltung eröffnet hat mit den Worten: „Ökumene braucht Orte, und wir möchten hier ein guter Ort sein für Ökumene.“ Ökumene brauche auch Perspektiven, es gehe nicht darum, den Status quo zu verteidigen, „obwohl das heute manchmal vielleicht schon sehr viel wäre“.

ISSN 2222-2464