Brot für die Welt und FIAN warnen vor Ernährungskrise

Während die Zahl der Hungernden mit 795 Millionen Menschen laut Welternährungsorganisation FAO leicht gesunken ist, nehme die Mangelernährung - also die Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen - zu, heißt es in der Aussendung von Brot für die Welt. (Foto: Wikipedia/DFID - UK Department for International Development)
Während die Zahl der Hungernden mit 795 Millionen Menschen laut Welternährungsorganisation FAO leicht gesunken ist, nehme die Mangelernährung – also die Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen – zu, heißt es in der Aussendung von Brot für die Welt. (Foto: Wikipedia/DFID – UK Department for International Development)

Neuer „Right to Food and Nutrition Watch“ veröffentlicht

Wien (epdÖ) – Transnationale Lebensmittel- und Agrarunternehmen üben wachsenden Einfluss auf das globale Ernährungssystem aus. Vor diesem Missstand warnen Brot für die Welt und FIAN anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober.

Zur Überwindung von Hunger und Mangelernährung bringen Konzerne immer mehr Lebensmittel auf den Markt, die künstlich mit Zusatzstoffen angereichert wurden. Ihre Rolle als Mitverursacher von Mangel- und Fehlernährung wird dabei von der Politik oft ausgeblendet. FIAN und Brot für die Welt prangern diesen Machtzuwachs der Konzerne im neuen „Right to Food and Nutrition Watch“ an. „Ausreichende und ausgewogene Ernährung sicherzustellen, ist eine staatliche Verpflichtung und darf nicht von privatwirtschaftlichen Interessen unterlaufen werden“, betont Dagmar Lassmann, Projektleiterin Brot für die Welt (Auslandshilfe der Diakonie).

Während die Zahl der Hungernden mit 795 Millionen Menschen laut Welternährungsorganisation FAO leicht gesunken ist, nehme die Mangelernährung – also die Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen – zu, heißt es in der Aussendung von Brot für die Welt. Weltweit würden rund zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung leiden. Besonders kritisch sehen Brot für die Welt und FIAN die verstärkte Einflussnahme von Nahrungsmittelkonzernen auf die Politikgestaltung – auch über Plattformen wie Scaling Up Nutrition (SUN) oder die Global Alliance for Improved Nutrition (GAIN). „Die oberste Priorität von transnationalen Unternehmen ist es, ihre Marktanteile auszuweiten, und nicht, eine gerechte Gesellschaft zu stärken“, erklären FIAN und Brot für die Welt.

„Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Mangelernährung in Entwicklungsländern setzt SUN auf High-Tech-Lösungen anstatt auf gemeinschaftsbasierte Lösungsansätze, die auf dem Menschenrecht auf Nahrung aufbauen. Die strukturellen Ursachen von Mangelernährung werden ignoriert. Die Förderung von Wirtschaftspartnerschaften im Bereich der Mangelernährung gibt Unternehmen beispiellosen Einfluss auf die Politikgestaltung“, so Brigitte Reisenberger von FIAN Österreich. Diese Initiativen würden technische Lösungen wie etwa künstliche Zusatzstoffe promoten und so versuchen, eine Entpolitisierung der Ernährungskrise zu bewirken. „Gesunde Ernährung braucht meist keine künstlich beigesetzten Vitamine. Durch den Ausbau von lokalen, kleinbäuerlichen Strukturen und eine Rückbesinnung auf traditionelle Anbaumethoden kann in vielen Regionen eine ausgewogene Ernährung erreicht werden“, sagt Bischof Michael Bünker, Schirmherr von Brot für die Welt.

Der „Right to Food and Nutrition Watch“ steht 2015 unter dem Motto „Peoples‘ Nutrition Is Not a Business“. Der jährlich erscheinende Bericht deckt die subtilen, aber erschreckenden Verstöße gegen das Menschenrecht auf Nahrung durch internationale Konzerne auf. Er klagt an, dass die Unternehmen häufig straflos davonkommen. Der Bericht reduziert das Thema Ernährung nicht auf medizinische und technische Bereiche, sondern erweitert seine Analyse um kritische politische und systemische Dimensionen. Es braucht auf den Menschenrechten basierende und von Wirtschaftsinteressen unabhängige Lösungsansätze, um vielfältige, gesunde, nachhaltige und kulturell angemessene Ernährung sicherstellen, so das Fazit des „Right to Food and Nutrition Watch“.

Der Watch ist ein zivilgesellschaftliches Instrument, das die Politik überwacht und Ungerechtigkeit im Ernährungssystem benennt. Er erscheint 2015 zum achten Mal auf Englisch, Französisch und Spanisch und wird von einem internationalen Konsortium aus Fachorganisationen und Netzwerken herausgegeben. Er kann im Internet unter www.rtfn-watch.org heruntergeladen werden.

ISSN 2222-2464