Bischof Sturm: „Aus Papier werden Menschen“

Pressekonferenz zur LWB-Europatagung in Wien – Bischof Filo: Optimistischer Aufbruch der Kirchen Ost- und Mitteleuropas

Wien, 24. Februar 2003 (epd Ö) Die Europakonferenz des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Wien lässt die Ziele der einzelnen Programme des LWB für die Evangelische Kirche A.B. in Österreich deutlich werden. Damit können sie in den Gemeinden leichter umgesetzt werden. Diesen Gewinn zieht Bischof Mag. Herwig Sturm aus der Tagung, die von 23. bis 26. Februar im Don-Bosco-Haus stattfindet. Wie der Bischof auf einer Pressekonferenz am 24. Februar erklärte, sei die Evangelische Kirche A.B. in Österreich Mitglied des LWB seit seiner Gründung. Sie freue sich über die Ehre, Gastgeber für die Konferenz zu sein. Es gelte nun: „Aus Papier werden Menschen.“

Von einem von Optimismus getragenem missionarischen Aufbruch der Kirchen Mittel- und Osteuropas sprach Bischof Dr. Július Filo von der Evangelischen Kirche A.B. in der Slowakischen Republik. Filo, der Vizepräsident des LWB für die Region Mittel- und Osteuropa ist, sagte auf der Pressekonferenz: „Zu diesem Optimismus wollen wir auch die Kirchen in anderen Ländern Europas ermuntern.“ Dazu könne die Europakonferenz dienen. Aufgabe der Kirchen sei es, rechtzeitig auf die ethischen und geistigen Grundwerte hinzuweisen, die die Basis des künftigen Europa bilden sollen und die vom Christentum beeinflusst seien. Hier sei „Vorbeugen besser als heulen“, sagte der LWB-Vizepräsident in Abwandlung einer bekannten Redensart.

Auf Anfrage erklärte Filo, dass die Stimmen innerhalb der Kirchen des LWB gegenüber einem Irak-Krieg durchwegs „warnend“ seien. Es sei aber Sache der einzelnen Mitgliedskirchen, dazu konkret Stellung zu beziehen.

Vorbereitung für die LWB-Vollversammlung

Dass die Europakonferenz in Wien der Vorbereitung vor allem auf die Vollversammlung des LWB in Winnipeg im kommenden Sommer dient, darauf verwies die Schatzmeisterin des LWB, Inger Johanne Wremer. Die Ergebnisse der Vollversamlung in Kanada werden, so Wremer, für die Arbeit des LWB in den nächsten sechs Jahren bestimmend sein. Neben der Diskussion mit der römisch-katholischen Kirche über die Rechtfertigungslehre gehören zu den Haupthemen der Vollversammlung die Frage des Teilens der Ressourcen mit den kleinen Kirchen des LWB, Konflikte zwischen Staaten und innerhalb von Staaten, das Problem der Gewalt in Familie und Gesellschaft sowie die negativen und positiven Auswirkungen der Globaliserung.

„Kleine Kirchen können beweglich sein“

Für eine kleine Kirche wie die Lutherische Kirche in den Niederlanden sei es „enorm wichtig“,Teil einer weltweiten großen Bewegung zu sein. Das unterstrich die Präsidentin der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Königreich der Niederlande, Pfarrerin Ilona Fritz, vor den Journalisten. Sie freue sich über die Möglichkeit des Gesprächs mit noch kleineren sowie mit großen Kirchen innerhalb des LWB. Fritz beklagte, dass Kirchen unter konservativen Grundhaltungen förmlich „leiden“ könnten. So seien in ihrer Kirche Amtsträgerinnen bis heute nicht zur Gänze akzeptiert. Allerdings seien kleinere Kirchen in Entscheidungsprozessen oftmals beweglicher als große Kirchen.

ISSN 2222-2464