Bischof Michael Bünker gegen Film „Tal der Wölfe“

„Offenkundig gewaltverherrlichend und vom Geist des Antisemitismus durchzogen“

Wien (epd Ö) – Gegen den Start des umstrittenen Films „Das Tal der Wölfe – Palästina“ hat sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker ausgesprochen. Der Film sei „offenkundig gewaltverherrlichend und vom Geist des Antisemitismus durchzogen“, erklärte der Bischof gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd Ö). Der Film schüre das alte Vorurteil der jüdischen Weltverschwörung und stelle die Existenz des Staates Israel in Frage. Dass der Start ausgerechnet am Internationalen Holocaust-Gedenktag angesetzt war, bestätige den Vorwurf des Antisemitismus. Bünker: „So ein Film hat in den österreichischen Kinos nichts verloren.“

Als Ausdruck der Solidarität mit den jüdischen Gemeinden in Österreich plädiert der Bischof dafür, den Film abzusetzen. In Deutschland wurde der Kinostart des türkischen Films vorerst gestoppt, inzwischen wurde er mit einer Altersbeschränkung ab 18 Jahren freigegeben. „Tal der Wölfe“ war zunächst eine türkische Fernsehserie über einen fiktiven türkischen Nachrichtendienst, der politische Machenschaften zur Strecke bringt. 2006 kam der daran anschließende Kinofilm „Tal der Wölfe – Irak“ in die Kinos, dem weitere Fortsetzungen und jetzt ein Teil über Palästina folgten.

Nausner: Film vertieft Grenzen und schürt Hass

Auch der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit lehnt den Film ab: „Die Freiheit der Kunst und Fiktion hat dort ihre Grenze, wo rassistische, antisemitische Stereotypen präsentiert werden und alte Vorurteile neue Nahrung erhalten“, so Ausschusspräsident Helmut Nausner. Der frühere Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche sieht in der „gewalttätigen Actionstory“ über den Gaza-Flottenzwischenfall die Propagierung antisemitischer Klischees. Nausner: „Der Film blockiert Friedensbemühungen im Nahen Osten, und er vergiftet auch das Klima in Europa. Er vertieft Grenzen und schürt Hass.“ Zum Filmstart am Holocaust-Gedenktag sagte Nausner, „der Bezug zur Shoa eignet sich nicht als reißerischer Marketing-Gag“. Pauschalurteile und Verhetzung hätten den Boden für die nationalsozialistische Vernichtungspolitik bereitet. „Die Kirchen haben daraus gelernt, zeitgeistige Filmemacher offensichtlich nicht“, so Präsident Nausner abschließend.

Den „antisemitischen türkischen Film“ verurteilten auch der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich. Schon in der TV-Serie, an die der Film anschließt, sei „antisemitische Hetze nach dem Muster von Ritualmordbeschuldigungen verbreitet worden“. Wes Geistes Kind „Tal der Wölfe“ ist, zeige dessen Propagierung auf neonazistischen Websites und in islamistischen Kreisen. Die „Türkische Kulturgemeinde in Österreich“ hatte anlässlich des Kinostarts einen Trauertag angekündigt und sich in scharfer Form vom „brandstiftenden“ Film „Tal der Wölfe“ distanziert. Der Streifen habe eine „extrem destruktive“ Wirkung auf Jugendliche und Migranten vor allem aus der Türkei: „Hier geht es schlichtweg um Provokation und die Vertiefung von Gräben.“

ISSN 2222-2464