27.11.2021

Bischof Chalupka: „Klimaschutz und Schöpfungsbewahrung sind Gebot der Stunde“

Evangelische Kirchen starten zum Advent ins Jahr der Schöpfung – Gottesdienst zum Auftakt des Aktionsjahres

Bischof Chalupka: “Die Zukunft nicht der Allmachtsphantasie des Menschen überlassen”. Screenshot: epd/Dasek

Evangelische Kirchen starten zum Advent ins Jahr der Schöpfung – Gottesdienst zum Auftakt des Aktionsjahres

Wien (epdÖ) Mit dem ersten Adventsonntag, dem Beginn des Kirchenjahres, sind die Evangelischen Kirchen in das „Jahr der Schöpfung“ gestartet. Das kommende Jahr steht ganz im Zeichen der Schöpfungsverantwortung und des Klimaschutzes. Bei einem Gottesdienst am Vorabend des ersten Adventsonntags in der Wiener Lutherkirche, der aufgrund der Pandemie als Online-Gottesdienst via YouTube übertragen wurde, erfolgte der Auftakt zum Schwerpunktjahr, das dezentral mit vielfältigen Veranstaltungen und Initiativen begangen wird.

„Klimaschutz und Schöpfungsbewahrung sind das Gebot der Stunde, wenn es darum geht, nach dem Guten für die Nächsten zu streben: für die Kinder und die Enkelkinder, für die Nachbar*innen, für die Menschen weltweit, die – wie wir alle – von den schlimmen Folgen der Klimakrise betroffen sind“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka in seiner Predigt. 

Die Kirchen seien „nicht erst jetzt aufgewacht“, sondern sie setzten sich seit mehr als dreißig Jahren für die Bewahrung der Schöpfung und die Klimagerechtigkeit ein, erinnerte der Bischof. Aber jetzt sei es Zeit, „in den eigenen Strukturen und Institutionen aufzuzeigen und vorzuleben, dass es möglich ist, klimaneutral zu leben, sowohl beim Wohnen, in der Ernährung und auch der Mobilität, dass Verzicht auf unbegrenzten Ressourcenverbrauch auch einen Gewinn an Lebensqualität bedeuten kann“. Deshalb, kündigte Chalupka an, arbeiten die Kirchen in diesem Jahr besonders an einem umfassenden Klimaschutzkonzept für alle Ebenen der Kirche. 

Der Bischof wies im Gottesdienst auch auf die globale Dimension der Klimakatastrophe hin. Die Menschen im globalen Süden litten besonders unter den Folgen des Klimawandels, „sie haben am wenigsten zur Klimakatastrophe beigetragen und sind die ersten, die unter ihr leiden“. „Mit der Schöpfung Gott zu loben, mit der Schöpfung zu seufzen und der Erlösung zu harren, in der Hoffnung zu bleiben und sich nicht der Verzweiflung zu ergeben und mit eigenen Händen zu tun, was möglich ist, aber die Rettung der Welt in Gottes Händen zu wissen, das ist es, was wir Christinnen und Christen beizutragen haben zur weltweiten Bewegung, die die Zukunft nicht der Allmachtsphantasie des Menschen überlassen will, sondern um die Verletzlichkeit des Menschen und der Schöpfung weiß“, schloss der Bischof.

Am Gottesdienst beteiligten sich auch die ehrenamtlichen Umweltbeauftragten der Evangelischen Kirche. „Natur- und Umweltschutz auf gesetzlicher Ebene zu verankern ist zu wenig“, erklärte Werner Schwarz. Es gelte, die Schöpfung in Ehrfurcht in ihrer Gesamtheit zu betrachten und für die Bewahrung der Vielfalt und Schönheit einzutreten, „das ist meine Motivation“, so der Umweltbeauftragte in Salzburg und Tirol.

Der niederösterreichischen Umweltbeauftragten Inge Janda ist der Erhalt der Biodiversität ebenso wichtig der Einsatz von umweltschonenden Materialien im Bauwesen. Die Katastrophen der Zeit hätten „deutlich gezeigt, dass Atomkraft und fossile Energien nicht die Zukunft sind“. Janda ist überzeugt, „steter Tropfen höhlt den Stein“, jede kleine Maßnahme, die konsequent umgesetzt werde, trage zur Verbesserung bei. Janda: „Es ist höchste Zeit, dass wir an die Zukunft denken und alles für eine Trendwende mobilisieren, damit unsere Kinder noch eine intakte Erde vorfinden. Denn die Klimakatastrophe kennt keinen Lockdown.“

In dem Gottesdienst wurde auch um den Segen für die Schöpfungsbotschafter*innen gebetet, die Bischof Chalupka erstmals vorstellte. Aufgrund der Pandemie waren sie per Video zugeschaltet. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und entstammen, so Chalupka, der „Enkel- ebenso wie der Großelterngeneration“. Bereits seit längerer Zeit setzen sich die Botschafter*innen für den Klimaschutz ein, nun werden sie die Idee und das Anliegen des Schöpfungsjahres in ihrem jeweiligen Bereich vertreten und verbreiten.

Mehrere Botschafter*innen nahmen per Videokonferenz am Gottesdienst teil.

Die Botschafter*innen des Jahres der Schöpfung sind der burgenländische Bio-Weinbauer Harald Tremmel, Altbischof Herwig Sturm und AHS-Lehrerin Astrid Tendis-Knely (Kärnten), Sozialarbeiterin Anna Zollitsch (Niederösterreich), Unternehmer Ulrich Böheim (Oberösterreich), Lehrerin Francesca Christ (Salzburg), Gemüsebäuerin und Studentin Magdalena Ambrosch (Steiermark), Bauingenieurin Anke Bockreis (Tirol) und Umweltwissenschaftler Johannes Tintner-Olifiers (Wien) sowie die Schülerin Milena Moser vom Evangelischen Realgymnasium Donaustadt und Daniel Berthold, der an dieser Schule sein „Freiwilliges Soziales Jahr“ absolviert. Botschafterin in der Evangelisch-methodistischen Kirche ist die Wiener Studentin Magdalena Gnigler.

An der Gestaltung des Gottesdienst wirkten Pfarrerin Eva Harasta, theologische Referentin des Bischofs, Kirchenrätin Andrea Sölkner, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs sowie per Videoschaltung die Umweltbeauftragten Inge Janda, Andrea Kampelmühler, Reinhold Lazar und Werner Schwarz mit. An der Orgel und im Sologesang war der Kantor der Lutherkirche, Jörg Espenkott, zu hören.

Zum Jahr der Schöpfung gibt es auch den neuen YouTube-Adventkalender der Evangelischen Kirche, der am ersten Adventsonntag sein erstes Türchen geöffnet hat: evang.at/youtube

Alle Infos zum Jahr der Schöpfung finden Sie auf: evang.at/schoepfung2022

Den Gottesdienst zum Auftakt des Jahres der Schöpfung können Sie hier nachsehen:

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ISSN 2222-2464

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