Bischof Bünker würdigt Spitzenphysiker Walter Thirring

Den verstorbenen Physiker Walter Thirring würdigt Bischof Bünker als "Brückenbauer" zwischen Naturwissenschaft und Religion. Im Bild eines von Thirrings bekanntesten Werken. Montage: epd/W. Engstler
Den verstorbenen Physiker Walter Thirring würdigt Bischof Bünker als "Brückenbauer" zwischen Naturwissenschaft und Religion. Im Bild eines von Thirrings bekanntesten Werken. Montage: epd/W. Engstler

„Engagierter Partner im Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaft“

Wien (epdö) – „Mit dem Tod von Walter Thirring verliert die Evangelische Kirche in Österreich einen prominenten Vertreter und die evangelische Gemeinde in Döbling ein langjähriges, treues Mitglied“, schreibt der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einem Nachruf auf den weltweit anerkannten theoretischen Physiker Walter Thirring, der in der Nacht auf Dienstag im Alter von 87 Jahren in Wien verstorben ist.

Bünker bezeichnet den Wissenschaftler, der mit den wichtigsten Physikern seiner Zeit wie Albert Einstein, Erwin Schrödinger oder Werner Heisenberg zusammenarbeitete, als „engagierten Partner im Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaft“. Sein Glauben gründete nach seinen eigenen Worten in der persönlichen Erfahrung, dass ihn Gott durch sein Leben begleitet und behütet hat. „Für ihn war Glauben und Wissen kein Gegensatz“, betont der Bischof. Gleichzeitig habe Thirring vermieden, die Naturwissenschaft mit der Religion „in unzulässiger Weise zu vermischen“. Bünker: „So wurde er zu einem glaubwürdigen und kompetenten Brückenbauer im Dialog und stand in einer Reihe mit den anerkanntesten Vertretern seines Faches, die in Österreich mit Johannes Kepler begonnen hat.

„Der 1927 geborene Walter Thirring stammt aus einer alten evangelischen Familie, die ursprünglich aus Thüringen stammte (daher der Name „Thirring“) und in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nach Österreich geflohen ist. Hier konnten die Thirrings wegen ihres evangelischen Glaubens allerdings nicht bleiben und ließen sich in Ödenburg/Sopron nieder. Erst im späten 19. Jahrhundert kam die Familie nach Wien. Die Liebe zur Physik habe der junge Walter wohl schon von seinem Vater Hans geerbt. Thirrings „bahnbrechenden Leistungen“ auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen Forschung, die durch eine große Zahl von Auszeichnungen und in den Nachrufen ausführlich gewürdigt wurden, „sind beeindruckend“, schreibt Bischof Bünker. Daneben habe Thirring Zeit seines Lebens die Liebe zur Musik, speziell zur Orgel, begleitet. So hat Thirring einige Orgelwerke komponiert, darunter auch geistliche Musik wie zum Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“.

Nach Walter Thirring bekommt der Mensch, auch der Physiker, unter Anspielung auf Jesajas Vision (Jesaja 6) von Gott höchsten den „Saum des Kleides“ zu sehen, erinnert Bünker und schließt: „Wir können für ihn dankbar sein und darauf vertrauen, dass er nun ´von Angesicht zu Angesicht´ (1. Kor.13) sieht. Mit unserer Anteilnahme sind wir bei allen, die um ihn trauern.“

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ISSN 2222-2464