Bischof Bünker: „Vernunft hat heute keine Konjunktur“

„‘There is no alternative‘ ist nicht nur ein zutiefst unchristlicher Satz, sondern auch ein ökonomisch unvernünftiger", sagte Bünker im Benediktinerstift Göttweig. Foto: wikimedia/Arcomonte26/cc by sa 3.0
„‘There is no alternative‘ ist nicht nur ein zutiefst unchristlicher Satz, sondern auch ein ökonomisch unvernünftiger", sagte Bünker im Benediktinerstift Göttweig. Foto: wikimedia/Arcomonte26/cc by sa 3.0

Kongress christlicher Führungskräfte in Stift Göttweig über „das rechte Maß“

St. Pölten (epdÖ) – Gegen eine Kultur der Maßlosigkeit, die „immer nur mühsam eingedämmt ist durch die Vernunft“ hat sich Bischof Michael Bünker am Donnerstag, 2. Mai, beim vierten Kongress christlicher Führungskräfte im niederösterreichischen Stift Göttweig ausgesprochen: „Vernunft hat heute keine Konjunktur“. Zugleich warnte Bünker vor der „Gefahr, dass wir das rechte Maß nur und vor allem auf der persönlichen, individuellen Ebene finden wollen“. Moralische Vorstellungen ließen sich „nicht einfach auf wirtschaftliche Gegebenheiten und gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge anwenden“.

Religion habe im wirtschaftlichen Kontext vor allem eine Alternative zum Paradigma der knappen und umkämpften Güter, aber zugleich der Maßlosigkeit anzubieten: „Gottes Heilshandeln ist eine Ökonomie der Gabe, die von einer Logik der Überfülle, des Überflusses, aber nicht des Übermaßes, bestimmt ist.“ Daraus ergäben sich Konsequenzen mit unserem Umgang mit der Zeit und mit Ressourcen, „die uns Mitgeschöpfe sind, Hinweise auf die freundliche Zuwendung des Schöpfers.“ Eine Wirtschaft, die sich selbst „exklusive Allgemeingültigkeit“ zuspreche schade sich letztlich selbst: „‘There is no alternative‘ ist nicht nur ein zutiefst unchristlicher Satz, sondern auch ein ökonomisch unvernünftiger.“

Nida-Rümelin: Der Markt braucht Moral

Der ökonomische Markt könne und dürfe nicht moralfrei sein. Diese These vertrat der deutsche Philosoph und Politikwissenschaftler Julian Nida-Rümelin in seinem Eröffnungsvortrag. Ökonomische Märkte lebten schließlich von Voraussetzungen, die sie selbst nicht erzeugen könnten. Ja vielmehr: Ökonomische Märkte würden – auf sich selbst gestellt und ohne moralische, kulturelle oder soziale Bindung – sich selbst zerstören.

Nida-Rümelin unterstrich die Notwendigkeit einer vertrauensvollen und wahrhaftigen Kommunikation, ohne die erfolgreiches Wirtschaften letztlich nicht möglich sei. Misstrauenskulturen in Unternehmen würden unweigerlich in den Untergang führen.

Der deutsche Philosoph zeigte sich zudem davon überzeugt, dass es weltweit eine Übereinstimmung an Werten und Normen gebe. So seien etwa auch die allgemeinen Menschenrechte keine rein westliche Errungenschaft sondern etwa auch massiv aus dem lateinamerikanischen bzw. indischen Raum eingemahnt worden.

Zum Verhältnis von Staat und Wirtschaft meinte Nida-Rümelin, dass der Staat umso stärker regulierend eingreifen müsse, je schwächer gemeinsame ethische Normen ausgebildet bzw. praktiziert würden und umgekehrt. Als die zwei großen „Erosionszonen“, die gemeinsame Werte in der Wirtschaft bedrohten, nannte der Philosoph Entwicklungen auf den Finanzmärkten und im Bereich des Internets.

Kardinal Schönborn: Verhalten Jesu auch Richtschnur für Unternehmer

Kardinal Christoph Schönborn meinte tags darauf, auch für Unternehmer müsse das Verhalten Jesu Richtschnur des eigenen Handelns sein. Der Kardinal rief die rund 200 Tagungsteilnehmer dazu auf, in den MitarbeiterInnen nicht nur deren Funktionen und Leistungen zu sehen, sondern vor allem die dahinter stehenden Personen, „mit ihren Stärken und Schwächen, Ängsten, Sorgen und Freuden und vor allem auch mit ihren Namen“.

Die „Maßlosigkeit Gottes“ stellte die evangelische Diakoniedirektorin Maria Katharina Moser in den Mittelpunkt ihres Vortrages. Bei Gott gehe es nicht um Leistung und Gegenleistung, Wert und entsprechenden Gegenwert. Gott gebe vielmehr über das Maß hinaus. Er gebe aus freien Stücken, „worauf wir keinen Anspruch haben“. Die Beschenkten hätten freilich die Verantwortung, selbst in Folge zu Schenkenden zu werden. Das sei ein ganz zentraler Punkt einer christlichen Lebenshaltung, so Moser.

Weitere Vortragende bei dem Kongress, der am 4. Mai zu Ende ging, waren unter anderem Chris Lowney, früher Manager bei der US-Bank J.P. Morgan und inzwischen Leiter der „Christian Health Initiatives“, einem Netzwerk aus über 100 kirchlichen Krankenhäusern in den USA, oder AMS-Leiter Johannes Kopf.

Zum Kongress christlicher Führungskräfte, der heuer zum vierten Mal stattfand, lädt das Forum christlicher Führungskräfte.  Getragen wird es von den Ordensgemeinschaften, der Katholischen Aktion, der Evangelischen Akademie Wien und der Industriellenvereinigung. (Infos: www.wertevollfuehren.at)

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ISSN 2222-2464