Bischof Bünker: Kirchen müssen Stellung beziehen

Den Kirchen wird die Aufgabe zukommen, die Menschen durch die kommenden Herausforderungen, etwa den Verzicht auf fossile Brennstoffe, zu begleiten und zu unterstützen. (Foto: ksoe)
Den Kirchen wird die Aufgabe zukommen, die Menschen durch die kommenden Herausforderungen, etwa den Verzicht auf fossile Brennstoffe, zu begleiten und zu unterstützen. (Foto: ksoe)

Kirche und Wirtschaft diskutierten in Wien über Gerechtigkeit

Wien (epdÖ) – Zu Fragen der Armut und der Menschenwürde müsse sich die Kirche zu Wort melden, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei einer Podiumsdiskussion am 11. Jänner am Ende der Tagung „Gerechtigkeit in einer endlichen Welt“ an der Universität Wien.

Bereits die Ökumenische Versammlung in Vancouver 1983 habe auf den Zusammenhang von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung verwiesen und den Klimawandel und seine Folgen thematisiert, betonte Bünker. Viele der Forderungen von damals seien bis heute nicht erfüllt worden, nach wie vor seien die Kirchen aufgefordert, mit der Politik das Gespräch zu suchen. „Mit Moralismen können wir den Problemen nicht beikommen“, so Bischof Bünker. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit vor allem auf regionaler Ebene stattgefunden haben. Hier könne auch die Kirche mitarbeiten, die mit dem pariochalen Pfarrsystem den Mitgliedern ein Engagement auf dieser Ebene ermögliche.

Dennoch müssten die Menschen in den Industrienationen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auf vieles verzichten, etwa auf fossile Brennstoffe. „Diese Herausforderungen haben auch eine geistig-spirituelle Dimension. Den Kirchen wird die Aufgabe zukommen, die Menschen während dieser Umstellungen und Abschiede, die etwa Trauer oder Trennungsschmerz zur Folge haben können, zu begleiten.“ Die Kirchen müssten ihre Politikfähigkeit ausbauen, so der Bischof weiter. Dies sei notwendig, um mit den politischen Akteuren auf den verschiedenen Ebenen ins Gespräch zu kommen. „Das kann nur gelingen, wenn die Kirchen glaubwürdig sind und das, was sie predigen, auch tun.“

Ein Lob für die Arbeit der Diakonie und der Caritas kam vom ehemaligen Nationalratsabgeordneten Alexander Van der Bellen. Er befürwortet die eindeutige Positionierung der Kirchen zu Armut, Flüchtlingen und Umweltschutz. Er selbst zeigte sich enttäuscht von den vielen Konferenzen zum Thema Umweltschutz in den vergangenen Jahren, sie hätten in der Regel zu nichts geführt. Auch Österreich werde seine Klimaziele nicht erreichen, prognostizierte Van der Bellen, „es ist aber nicht so, dass sich in Österreich nichts tun würde“. Die höchste Zuwachsrate an CO2-Ausstoß sei nach wie vor dem Autoverkehr geschuldet.

Bildung ist für Professor Hans-Peter Lang von der Wiener Universität für Bodenkultur der Schlüssel für nachhaltige Fortschritte im Bereich des Umweltschutzes. Lang verwies dabei auf die Vielzahl der Ursachen für Regenwald-Rodungen. Er gab zu bedenken, dass diese in vielen Fällen von den Ärmsten durchgeführt würden, für die sich die Überlebensfrage stelle. Hier müsse das Wissen vermittelt werden, wie der Regenwald nachhaltig bewirtschaftet werden kann.

Einen Stimmungswechsel innerhalb verschiedener Institutionen ortet hingegen Rita Trattnigg, Expertin des Umweltministeriums. Trattnigg ist Begründerin der Initiative „Wachstum im Wandel“. Seitens der Politik bestehe der Wunsch, „Grundsatzfragen in einem geschützten Raum debattieren zu können“, um sich nicht der Gefahr eines „Gesichtsverlusts“ auszusetzen. Zudem gewinne die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern zunehmend an Bedeutung, erklärte Trattnigg.

„Gottes Reich beginnt damit, dass Menschen als Menschen miteinander leben können. Alles, was das verhindert, zerstört und vernichtet, wird im wahrsten Sinn des Wortes zum Teufel gejagt“, sagte Bischof Michael Bünker in seiner Predigt beim Abschiedsgottesdienst der Tagung in der Kirche des Wiener Priesterseminars. „Das Reich Gottes, das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, gilt überall und setzt sich überall durch. Positiv gewendet: Es gibt keine Zukunft, wenn die Anderen, die Fremden, die Ausländischen ausgeschlossen werden und ihnen der gerechte Anteil an den Gütern der Schöpfung vorenthalten wird.“

Veranstalter der Tagung „Gerechtigkeit in einer endlichen Welt“ vom 10. bis 11. Jänner waren die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien, die Katholische Sozialakademie Österreichs, „Iustitia et Pax“, „Pro Oriente“ und der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich.

ISSN 2222-2464