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Bischof Bünker: „Evangelischer Glaube wird sich mit den bestehenden Verhältnissen nie abfinden“

Bischof Bünker (re) erhält das Amtskreuz von seinem Vorgänger, Bischof Sturm.
Bischof Bünker (re) erhält das Amtskreuz von seinem Vorgänger, Bischof Sturm.

Der Festgottesdienst zur Amtseinführung des neuen evangelisch-lutherischen Bischofs im Austria Center Vienna

Wien (epd Ö) – „Achtet den Dienst eures Bischofs, steht ihm bei, betet für ihn.“ Mit diesen Worten wandte sich Bischof i.R. Mag. Herwig Sturm an die mehr als 1700 Gäste, die aus der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, aber auch aus der Reformierten und Evangelisch-methodistischen Kirche sowie aus der Ökumene aus dem In- und Ausland zur Amtseinführung des neuen lutherischen Bischofs Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker am 27. Jänner in das Austria Center Vienna gekommen waren.

Für eine missionarische und diakonische Kirche

In seiner Predigt erklärte der neue Bischof, er wolle sich in den kommenden Jahren für eine missionarische und diakonische Kirche einsetzen, und sagte: „Ich lade alle ein aufzubrechen, mich auf diesem Weg zu begleiten.“ Bünker unterstrich: „Evangelischer Glaube, wie ihn der Apostel Paulus versteht, wird sich mit den bestehenden Verhältnissen nie abfinden, wird nicht resignieren und nicht zynisch werden. Wird auch nicht illusionär über die Realität hinweggehen, sondern sich voll Wachsamkeit und Leidenschaft ausstrecken nach der neuen Welt Gottes.“

Bünker, der auf das im Saal aufgehängte Bild „Sehnsucht des Grases“ von Max Weiler Bezug nahm, verwies darauf, dass Gras ein Bild für paradiesische Zustände sei, zugleich stehe es „für alles, was übergangen und zertrampelt wird, abgemäht, verdorrt und zubetoniert“. In diesem Zusammenhang sagte der Bischof: „Heute jährt sich zum dreiundsechzigsten Mal der Tag, an dem Auschwitz befreit wurde“ und erklärte: „Insbesondere gedenken wir der Millionen Jüdinnen und Juden und der Schuld, die die Kirchen gegenüber Israel, dem Volk Gottes im ungekündigten Bund, auf sich geladen haben.“ Auch die Evangelische Kirche A.B. in Österreich sei „mitschuldig geworden durch Wegschauen und Zutun“.

Beides, das Gras des Paradieses und das Gras des Feuerofens, stehe, so Bünker in seiner Antrittspredigt, im Zeichen des Kreuzes Jesu und im Licht seiner Auferstehung. „So nimmt unser Glaube diese Spannung mit hinein in eine große Verheißung, die Gott uns zuspricht“, sagte der neue Bischof.

Zuvor hatte Bischof Sturm seinem Nachfolger das bischöfliche Amtskreuz überreicht, das die Schülerin Gerlinde Kramer in der Goldschmiedewerkstatt des Evangelischen Gymnasiums Wien entworfen hatte. In seiner Ansprache betonte Sturm, in der lutherischen Tradition nehme der Bischof sein Amt „personal, kollegial und gemeinschaftlich“ wahr. In diesem Amt werde „die Bewahrung der apostolischen Tradition, die uns allen aufgetragen ist“, sichtbar. Die Bestellungsurkunde für Bischof Bünker hatte der Präsident der Synode A.B. und der Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer, verlesen.

Gesegnet wurde Bünker von den beiden AssistentInnen der Amtseinführung, der lutherischen Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner und dem Generalbischof der Evangelischen Kirche A.B. in der Slowakei, Dr. Miloš Klátik. Segensworte sprachen auch der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, Mag. Thomas Hennefeld, die Tiroler Superintendentin Mag. Luise Müller sowie Leopoldine Baierl von der Gehörlosengemeinde.

Für die Bischöfe der Evangelisch-lutherischen Kirchen Deutschlands, Finnlands, Russlands, Polens, Schlesiens, Italiens, Rumäniens, Sloweniens und Ungarns sowie für die Reformierten Kirchen der Slowakei und Ungarns sprachen Segensworte der finnische Erzbischof Dr. Jukka Paarma und der sächsische Bischof Jochen Bohl.

„Erlaube den Kindern ein sorgloses Leben“

Auch der Schweizer Pfarrer Thomas Wipf, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), deren Generalsekretär Bünker ist, segnete den neuen Bischof. Ein Segensgebet der Ökumene sprachen der römisch-katholische Weihbischof DDr. Helmut Krätzl und der griechisch-orthodoxe Metropolit Dr. Michael Staikos.

Kinder überbrachten Bünker einen Segenswunsch mit den Worten: „Erlaube den Kindern ein sorgloses Leben. Erlaube es Gott, über dich stets zu wachen und schließe den Dank in dein Beten mit ein.“

Reiche musikalische Ausgestaltung

Die Fürbitten in dem Gottesdienst, dessen Liturgie von der Pfarrerin der Ortsgemeinde Kaisermühlen und Kagran, Mag. Elisabeth Kluge, und von Bischof Bünker geleitet wurde und der auch von Brigitta Mikulasek und Valerie Clarke in Gebärdensprache übersetzt wurde, sprachen VertreterInnen der Evangelischen Jugend, des Religionsunterrichts, der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, der Pfarrerinnen und Pfarrer, der Frauenarbeit, der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, der Weltmission, der Ökumene und der Diakonie.

Der Abendmahlsgottesdienst war musikalisch reich ausgestaltet. Es wirkten mit die Kantorei Oberschützen sowie der Chor und das Bläserensemble des Evangelischen Musikgymnasiums Oberschützen unter der Leitung von Erik Barnstedt und Erich Brunner, der Albert-Schweitzer-Chor, geleitet von Matthias Krampe, der Ghana Minstrel Choir unter der Leitung von Joe Taylor sowie das Orchester aus Lehrern und Schülern der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule unter der Leitung von Hanns Stekel, das auch die Predigt mit einer Komposition von Hanns Stekel begleitete. VokalsolistInnen waren Ingrid Haselberger (Sopran), Margot Oitzinger (Alt), Gernot Heinrich (Tenor) und Yasushi Hirano (Bass). Die musikalische Gesamtleitung hatte Kirchenkantor Mag. Matthias Krampe.

Die Kollekte des Festgottesdienstes war für Projekte der Presbyterian Church of Ghana bestimmt.

Ein umfangreiches Gratulationsprogramm, gestaltet von den lutherischen Diözesen in Österreich, wartete im Anschluss an den Festgottesdienst und die offiziellen Grußadressen auf den neuen Bischof. So traten als Überraschungsgäste Roland Neuwirth und die Extremschrammeln auf, die nicht nur von der Sehnsucht nach dem „echten Wien“ sangen, sondern auch ein für den neuen Bischof persönlich geschaffenes, kirchenkritisches Lied boten, das das Evangelium mit gutem Wein in nicht ganz angemessenen Gläsern verglich. Bünker bedankte sich mit den Worten: „Ohne Roland Neuwirth wäre mir das Wienerlied immer verschlossen geblieben.“ Auch der Kabarettist Jörg-Martin Willnauer und der Imitator Peter Paul Skrepek, der als Wiens Altbürgermeister Zilk auftrat, riefen Lachstürme hervor.

Musikalisch gratulierten SchülerInnen der Evangelischen Volksschule Wien-Leopoldstadt, der Chor der Diözese Niederösterreich und das Bläserensemble des Evangelischen Musikgymnasiums Oberschützen. Die Diözese Oberösterreich bezog die zahlreichen Gäste in einem Bewegungslied für den neuen Bischof in ihre Gratulation mit ein. Die Diözese Steiermark begrüßte den neuen Bischof mit einem eigens für diesen Tag gestalteten kabarettistischen „Krippenspiel für Insider“. Auch zahlreiche Geschenke wurden überreicht, so von der Diözese Salzburg/Tirol und von der Diözese Kärnten.

ISSN 2222-2464