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Bischof Bünker: „Christliche Nächstenliebe findet ihre Echtheitsprobe in der Fremden- und Feindesliebe“

Wien (epd Ö) – „Weil Gott befreit hat, haben die Menschen seines Bundes diese Freiheit nicht nur nicht zu gefährden, sondern sie zu bewahren und zu fördern.“ Das erklärte der lutherische Bischof Michael Bünker bei einem Symposion zum Thema „Mensch – Fortschritt – Religion. Visionen zu Fragen der Wissenschaft und der Theologie im 21. Jahrhundert“, das die römisch-katholische Pfarrgemeinde Floridsdorf am 10. März im Saal des Naturhistorischen Museums in Wien veranstaltet hat.

Bünker, der über „Der Christ zwischen Dienst, Gerechtigkeit und Frieden“ sprach, betonte unter Berufung auf Martin Luther, die evangelische Tradition kenne nur eine Freiheit durch Bindung. Das bedeute, Freiheit hat eine „soziale Seite“, zugleich gelte: „Ich bin befreit von der Tyrannei eines gelingenden Lebens.“

Die Verwirklichung der menschlichen Bestimmung, so der Bischof, sei die Liebe zum Mitmenschen, zu Gott und zu sich selbst. Dies müsse sich in gesellschaftlichen Zusammenhängen auswirken: „Die Liebe findet ihre Echtheitsprobe erst in der Fremden- und Feindesliebe.“ Der Bischof forderte eine „von der Fürsorge ausgehende Ethik“, die heute notweniger sei „als kaum je zuvor“.

Zum Begriff der Gerechtigkeit verwies Bünker auf die Bibel, nach der es nicht sein könne, „dass einige Wenige in Luxus, die Mehrheit aber in Armut leben“. So habe auch die Mystik erkannt: „Wer in Gott auftaucht, taucht neben den Armen auf.“

„Gerechter Friede“, nicht „gerechter Krieg“

Friede, so Bünker, sei mit Gerechtigkeit wechselseitig verknüpft und gelte in der Bibel nicht nur als Ende des Krieges, sondern als ein allgemeiner Zustand, der die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen umfasse. Daher werde in der christlichen Ökumene heute vom „gerechten Frieden“, nicht vom „gerechten Krieg“ gesprochen.

Als Grund für dieses Verständnis der Begriffe Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden nannte  der Bischof die in der Bibel bezeugte Gottebenbildlichkeit des Menschen. Der Mensch sei jedoch nicht als, sondern zu Gottes Ebenbild geschaffen. Damit habe er eine Zukunftsperspektive und „Richtungsbestimmung“. „Gott ist auch hier schöpferisch im Sinne der Neuen Schöpfung“, sagte Bünker.

Bei dem von Univ.-Prof. Wilhelm Urban moderierten Symposion der römisch-katholischen Pfarrgemeinde Floridsdorf sprach auch Bundeskanzler a.D. Wolfgang Schüssel über „Visionen des christlichen Europapolitikers im Weltdorf Erde“, der ehemalige Direktor des Naturhistorischen Museums Bernd Lötsch äußerte „Gedanken des Naturwissenschaftlers über die Zukunft der Schöpfung“, Kaplan Emmanuel Mawusi sprach über „Inkulturation und Inkarnation“ und der Theologe Matthias Beck zum Thema „Spiritualität als dialogische Herausforderung“.

ISSN 2222-2464