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Bischof Bünker bei der Gedenkfeier in Mauthausen: „Die Täter werden und dürfen nicht das letzte Wort behalten“

Ökumenischer Gottesdienst in der KZ-Gedenkstätte

Mauthausen (epd Ö) – „Die Täter werden und dürfen nicht das letzte Wort behalten und für alle Zeiten triumphieren über ihre Opfer. Die Opfer werden und dürfen nicht mit ihrer so sinnlos und brutal abgerissenen Lebensgeschichte in Vergessenheit geraten. Ihr Gedächtnis, ihre Namen sind aufgehoben, ihre Lebensgeschichte wird sich im Friedensreich des Messias vollenden.“ Das sagte der lutherische Bischof Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker am 18. Mai in seiner Predigt in einem ökumenischen Wortgottesdienst anlässlich des Gedenkens der Befreiung der Häftlinge aus dem KZ Mauthausen vor 63 Jahren.

Es gehöre wohl zu den bittersten Erfahrungen, dass der Mensch, „der geschaffen ist, für einander Gehilfe/Gehilfin, Schwester und Bruder, Kamerad und Genosse, ein Freund zu sein“, den Wolf in sich trage. Das bedeute aber, so Bünker: „Die ungeheuren Verbrechen, die hier in Mauthausen und an anderen Orten der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft geschehen sind, sie zeigen uns doch ganz schonungslos: Wo Menschen sind und wo eine verbrecherische Politik herrscht, dort bricht die Wolfszeit an.“ Es gehöre zu den unaufgebbaren Forderungen, „dass auch wir gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus für die Herstellung von Gerechtigkeit eintreten, für Wahrheit und für die rechte Zuordnung von Schuld und Verbrechen“.

Den ökumenischen Gottesdienst in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen leiteten neben Bünker der Linzer römisch-katholische Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz sowie der griechisch-orthodoxe Metropolit Dr. Michael Staikos.

Rund 7.000 Gäste aus aller Welt haben am Sonntag in Mauthausen an der Feier zum Jahrestag der Befreiung der Häftlinge aus dem Konzentrationslager durch US-amerikanische Truppen im Mai 1945 teilgenommen. Das diesjährige Gedenken war besonders den Widerstandskämpfern gegen den Nationalismus, die als Häftlinge im KZ waren, gewidmet. In Mauthausen und seinen Nebenlagern haben die Nationalsozialisten rund 200.000 Menschen gefangen gehalten. Etwa die Hälfte von ihnen überlebte diese Vernichtungsmaschinerie nicht.

ISSN 2222-2464