Bischof Bünker: Am Weg der Verständigung „nicht irre machen“ lassen

„Gewalttaten wie der Terroranschlag gegen Christen in Bagdad sind im Namen aller Religionen auf das Entschiedenste abzulehnen“

Wien (epd Ö) – Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker hat den Terroranschlag auf eine katholische Kirche in Bagdad scharf verurteilt. Bünker erinnerte daran, dass der Anschlag islamischer Extremisten, bei dem während des Gottesdienstes in einer syrisch-katholischen Kirche am Sonntag fast 60 Menschen getötet wurden, „zu einer Zeit stattfand, wo in Genf Christen und Muslime zu einer hochrangigen Weltkonferenz zusammenkamen“. Dies zeige, „dass man sich nicht irre machen lassen soll am Weg der Verständigung“, so der Bischof gegenüber epd Ö. Derartige Gewalttaten seien „im Namen aller Religionen auf das Entschiedenste abzulehnen“.

„Ich begrüße es sehr, dass sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich so deutlich distanziert hat“, sagte Bünker weiter. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, hatte sich „schockiert“ gezeigt. Für die Geiselnahme von betenden Menschen in einer Kirche, die mit dutzenden Toten endet, könne es keinerlei Rechtfertigung geben, erklärte Schakfeh. Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat beim Allerseelen-Requiem im Stephansdom der Opfer des islamistischen Terrorangriffs gedacht und zum Gebet für die Terroropfer aufgerufen.

In Bagdad haben sich am Dienstag hunderte Christen und andere Iraker in einem Trauergottesdienst von den Opfern des Terroranschlags verabschiedet. Der höchste katholische Würdenträger des Landes, Kardinal Emmanuel II. Delly, forderte die irakische Regierung dazu auf, die christliche Minderheit besser zu schützen und entsprechende Zusagen in die Tat umzusetzen.

Frankreich bot unterdessen 150 irakischen Christen Asyl an. Darunter sind auch einige Gottesdienstbesucher, die die Geiselnahme am Sonntag verletzt überlebt haben. Der französische Einwanderungsminister Eric Besson erklärte, die Entscheidung zur Aufnahme weiterer irakischer Christen stehe in der Tradition Frankreichs als Zufluchtsort verfolgter Minderheiten. Seit 2007 habe Frankreich rund 1300 irakische Christen aufgenommen, sagte Besson weiter. Das Programm wird gemeinsam mit den Vereinten Nationen betreut.

ISSN 2222-2464