Bischöfin Jepsen zur Ökumene: Keine Vereinheitlichung, aber mehr Gemeinschaft

Die Hamburger Bischöfin sprach im Klagenfurter Landhaus

Klagenfurt (epd Ö) – „Die ökumenische Bewegung hat nicht die Verschmelzung aller Kirchen und Konfessionen zu einer schlagkräftigen Einheitskirche im Sinn; sie will nicht Vereinheitlichung, sondern die Förderung der Gemeinschaft untereinander.“ Das sagte die deutsche Bischöfin Maria Jepsen am Freitag, 27. Oktober, im Klagenfurter Landhaus bei ihrem Vortrag „Das unerschrockene Wort – Gegen die konfessionelle Besserwisserei“. Die Ökumene wolle das Gespräch zwischen den historisch gewachsenen Kirchen und Konfessionen weltweit ermöglichen, fördern und nicht abreißen lassen, so Jepsen, die auf Einladung der Evangelischen Akademie Kärnten nach Klagenfurt gekommen war.

Im Blick auf die Frage nach einer Leitung der ökumenischen Bewegung erklärte die Bischöfin: „Da das Zentrum der Christenheit vorgegeben ist und in seiner Herkunft liegt, in Jesus Christus und seinem Evangelium, bedarf es keines weiteren Zentralorgans.“ Ähnlich wie Gertrude Steins Aussage „eine Rose ist eine Rose ist ein Rose“ sei „ein Christ ist ein Christ ist eine Christin – ob nun Orthodoxe oder Protestant oder Katholikin, ob in Japan, ob in Schweden oder Herrnhut oder an der Donau“. Jepsen: „Die Vielfalt zu beschränken liefe auf geistliche Verarmung hinaus.“

Die Bischöfin verwies darauf, dass der Aufbruchstimmung bei der 1999 von Vatikan und Lutherischem Weltbund unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ eine Phase der Abgrenzung durch die Römisch-katholische Kirche gefolgt sei. Die Bischöfin erinnerte in diesem Zusammenhang an das im Jahr 2000 von der vatikanischen Glaubenskongregation unter dem damaligen Vorsitz von Joseph Kardinal Ratzinger veröffentlichte Dokument „Dominus Iesus“, „das zum Beispiel Lutheraner als Kirchen nicht anerkennt“. Jepsen: „Das ist schon eine seltsame Aufteilung, die da vorgenommen wird; aber als Evangelische ist uns – Gott sei Dank – die Bibel wichtiger als der Vatikan, das sola scriptura von höherer Relevanz als die römischen Traditionen.“

Die Bischöfin bezeichnete die Jugendbewegung von Taizé als „eines der gelungensten Beispiele vom christlichen Miteinander über die Konfessionsgrenzen hinweg, das theologisch zu neuen Einsichten führen könnte, wenn man es denn als Modell annähme“. Jepsen gab zu bedenken, dass „vielleicht nicht der Rückgriff und die Aufarbeitung historischer Verwerfungen und dogmatischer Klüfte“ in der ökumenischen Diskussion helfe, „sondern dies einfache Versammeln um Wort und Altar, der Wille zum gemeinsamen Gebet und gelebter Nächstenliebe, zu mehr Nähe untereinander“.

Weiter hob sie den seelsorgerlichen Aspekt hervor, der in der ökumenischen Debatte „ziemlich vernachlässigt“ werde: „Wir haben als Kirchen dafür Sorge zu tragen, dass die Christinnen und Christen in unseren Gemeinden gut miteinander leben können, auch wenn sie verschiedenen Konfessionen angehören.“ Dabei präzisierte die Bischöfin, dass „wir die Pflicht zur Versöhnung der Konfessionen“ haben.

Neben der Tatsache, dass Ökumene ein Dogmenproblem und ein Profilproblem sei, bezeichnete Jepsen die Ökumene auch als „Alltagsproblem, Lebensproblem und Seelsorgeproblem“. Dazu die Bischöfin: „Da ist es mir doch fast egal, ob ich von Rom nur als Vertreterin einer kirchlichen Gemeinschaft betrachtet werde und nicht einer Kirche, wenn ich meinen Gemeindegliedern, dem konfessionsverschiedenen Ehepaar endlich sagen könnte: Man wird euch nun auch in römisch-katholischen Kirchen nicht mehr abweisen, wenn ihr dort an der Kommunion teilnehmen wollt.“

Maria Jepsen wurde 1945 in Bad Segeberg geboren. Sie ist evangelisch-lutherische Bischöfin des Sprengels Hamburg der Nordelbischen Kirche. Nach ihrem Studium der Altphilologie und der Evangelischen Theologie in Tübingen, Kiel und Marburg war sie Gemeindepastorin in Meldorf und Leck. 1992 wurde sie zur weltweit ersten lutherischen Bischöfin gewählt.

ISSN 2222-2464