Bernardis-Denkmal vor Ennser Kaserne enthüllt

Bundespräsident Fischer: Ehrung für den gesamten Widerstand

Enns (epd Ö) Ein Denkmal zu Ehren des von den Nazis hingerichteten evangelischen Widerstandskämpfers Oberstleutnant Robert Bernardis wurde am Montag auf dem Gelände der Heeresunteroffiziersakademie der Towarek-Kaserne in Enns (Bezirk Linz-Land) enthüllt. Damit werde nicht nur eine Einzelperson, sondern darüber hinausgehend der Widerstand gegen das nationalsozialistische System offiziell von der Republik Österreich und dem österreichischen Bundesheer geehrt, betonte Bundespräsident Heinz Fischer in seiner Ansprache. An dem Festakt nahmen neben Nationalratspräsident Andreas Khol, Verteidigungsminister Günther Platter, Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer und zahlreichen Ehrengästen auch Bernardis‘ Witwe Hermine Bernardis und Familienangehörige teil. Die Evangelische Kirche war durch Militärkurat Mag. Paul Nitsche vertreten.

„Der 11. Oktober ist ein ehrenvolles Datum für das österreichische Bundesheer und daher auch für unser Land“, erklärte Bundespräsident Fischer. Der Widerstand von ehrenhaften Männern wie Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Robert Bernardis (ihr Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte, Anm.) gegen ein verbrecherisches System werde zu Recht gewürdigt. Die Ehrung komme „spät, aber nicht zu spät“, betonte der Bundespräsident. Ein zeitlicher Abstand sei häufig nötig, wie auch die Diskussion in Österreich gezeigt habe. Er sei stolz, dass sich die Republik in so eindeutiger Weise zu Bernardis, zum Widerstand und zu dessen Trägern bekenne, sagte Fischer: „Es lebe unser demokratisches, dem Frieden verpflichtetes Bundesheer, es lebe die Republik Österreich.“

Sein Gewissen habe Bernardis den Tyrannenmord zur Pflicht gemacht, so Nationalratspräsident Khol. Es habe lange gedauert, bis das Recht des Widerstands und die Bedeutung des 20. Juli 1944 auch für Österreich erkannt worden seien. Er erwarte nunmehr, dass Bernardis in die Denkmalpflege des Bundesheeres aufgenommen und in den österreichischen Schulbüchern entsprechend gewürdigt werde, betonte Kohl.

Mit der Denkmalenthüllung solle Hermine Bernardis das Gefühl haben, „dass wir etwas gut machen wollen“, sagte Verteidigungsminister Platter: „Wir wollen Robert Bernardis heute ein Ersatzgrab geben, an dem wir ihn besuchen können, ein Zeichen der Ohnmacht, aber gleichzeitig der Hinwendung.“ Es habe lang gedauert, bis die volle Bedeutung dessen, was damals versucht worden sei, klar geworden sei. Bernardis stehe für jene kleine Gruppe von Personen, die ihrer Heimat und ihren Menschen besonders verbunden gewesen sei.

Das Denkmal, dessen Grundkomponente ein quaderförmiger, rund zweieinhalb Meter hoher Granitstein ist, ziert eine Inschrift, in der es heißt: „Mit Bernardis ehren wir den Widerstand gegen den verbrecherischen Nationalsozialismus.“ Das Denkmal verweigere in seiner formalen Gestaltung dem Betrachter eine einfache Antwort auf die Ereignisse, es verlange vielmehr von ihm, dass er sich und anderen vermehrt Fragen stellen möge, heißt es von Seiten des Bundesheeres.

Über eine Ehrung Bernardis‘ war im Vorfeld heftig diskutiert worden. Zum heurigen 60. Jahrestag des Putschversuchs war seitens der Opposition, aber auch von einzelnen Vertretern der ÖVP und der FPÖ die Forderung laut geworden, eine prominente Kaserne nach dem Widerstandskämpfer umzubenennen. Platter hatte diesem Wunsch jedoch eine Absage erteilt und das Denkmal in Enns initiiert.

ISSN 2222-2464