Bartholomaios: „Skandal der Spaltung“ überwinden

Ökumenischer Patriarch sieht keine Alternative zu interreligiösem Dialog

Wien (epd Ö) – Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat die christlichen Kirchen aufgerufen, alles daranzusetzen, um den „Skandal der Spaltung“ zu überwinden und „die von Jesus selbst gewünschte Einheit zu verwirklichen“. Anlässlich der Entgegennahme des Kardinal-König-Preises betonte der Primas der orthodoxen Christenheit am Dienstagabend im Wiener Stephansdom, dass es zum interkonfessionellen und interreligiösen Dialog keine Alternative gebe. Für das zusammenwachsende Europa forderte Bartholomaios I. eine „einheitliche Sozialpolitik in friedlicher und fruchtbarer Zusammenarbeit der Völker“.

 

„Die Vielfalt aus einer gespaltenen Christenheit ist kein Segen, sondern nur ein Widerspruch in sich“, sagte der Patriarch. Getrennt und gespalten verliere das Christentum an Glaubwürdigkeit und „Effizienz seines Zeugnisses“. Der intensive ökumenische Dialog sei daher „absolut notwendig, damit das Christentum seine Glaubwürdigkeit nicht verliert, seine Missionsaufgabe erfüllt und den Menschen zu ihrem Heil verhelfen kann“.

 

Der Ökumenische Patriarch würdigte den vor genau drei Jahren verstorbenen Wiener Alterzbischof Kardinal Franz König als „überzeugten Pionier und Förderer der Ökumene“: „Sein Name bürgt für den Anfang und die Fortsetzung der geschwisterlichen Beziehungen zwischen unseren Schwesterkirchen.“ Die ökumenische Arbeit sei zugleich Friedensarbeit: „Auf dem Fundament der christlichen Prinzipien der Liebe und der gegenseitigen Anerkennung aller Menschen als gleichwertige Geschöpfe Gottes können wir in Eintracht und Harmonie leben, ohne Unterdrückungsmechanismen, ohne Fanatismus, ohne Ausbeutungstendenzen, ohne Polemik und ohne Auseinandersetzungen. Gerade jetzt in der Phase der Neugestaltung Europas müssen wir Christen und Kirchen gemeinsam helfen, damit der Mensch und nicht verschiedene Interessen in den Vordergrund gestellt werden.“

 

Das vereinte Europa könne sich nicht auf wirtschaftliche Entwicklung und eine einheitliche Verteidigungspolitik beschränken, sondern verlange nach einer „einheitlichen Sozialpolitik in friedlicher und fruchtbarer Zusammenarbeit der Völker“. Die Kirchen dürften nicht eine einseitige Entwicklung akzeptieren, durch die heute innerhalb der Europäischen Union 72 Millionen Menschen mit einem Armutsrisiko lebten und weitere 36 Millionen gefährdet seien. „Es geht um die Qualität des menschlichen Lebens und um die Würde der menschlichen Person“, unterstrich der Ökumenische Patriarch.

 

Vor der römisch-katholischen Bischofskonferenz hatte der Patriarch am Dienstagabend das Zusammenwirken der christlichen Kirchen in Österreich als beispielhaft für Europa bezeichnet. Die gemeinsame Vorbereitung der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) im kommenden September in Sibiu/Hermannstadt in Rumänien werde „ein neues Zeichen dieses gemeinsamen Zeugnisses der Kirchen in der heutigen Welt“ sein, so das Oberhaupt der Weltorthodoxie.

ISSN 2222-2464