Bachler: „Freue mich auf die Begegnung mit Menschen“

Ingrid Bachler über den Stellenwert von Religionsunterricht heute, über ihre Ziele und Erwartungen und über die Bedeutung des Reformationsjubiläums 2017. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Ingrid Bachler über den Stellenwert von Religionsunterricht heute, über ihre Ziele und Erwartungen und über die Bedeutung des Reformationsjubiläums 2017. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Neue Oberkirchenrätin zu Gast in ORF-Sendung „Das ganze Interview“

Klosterneuburg (epdÖ) – Die neue evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler war am Reformationstag in der ORF3-Sendung „Das ganze Interview“ zu Gast. Im Gespräch mit Christoph Riedl-Daser sprach sie über den Stellenwert von Religionsunterricht heute, über ihre Ziele und Erwartungen und über die Bedeutung des Reformationsjubiläums 2017.

Sie freue sich auf ihre neue Aufgabe im Leitungsgremium der Evangelischen Kirche. Bei der Leitung der Personalabteilung handle es sich um „keine trockene Verwaltungstätigkeit“, zeigt sich Bachler überzeugt. „Ich habe viel mit Menschen zu tun, in erster Linie mit den Pfarrerinnen und Pfarrern. Und ich habe gestalterische Möglichkeiten, etwa wenn es darum geht, Kandidatinnen und Kandidaten für die PfarrerInnen-Ausbildung auszuwählen.“ Bachler, die selbst lange Zeit als Pfarrerin gearbeitet hat, bezeichnet die Tätigkeit des Pfarrers bzw. der Pfarrerin als „spannenden und herausfordernden Beruf“. „Der Beruf ist etwas Besonderes und die Evangelische Kirche ist eine gute Arbeitgeberin. Ich will dafür werben, dass junge Männer und Frauen PfarrerInnen werden. Den Beruf attraktiv machen ist mein Ziel.“

Erfreut zeigte sich Bachler auch darüber, dass immer mehr Frauen den Beruf ergreifen. Hier müsse es aber beim Thema Wiederberufseinstieg nach der Karenz von gesetzlicher und kirchlicher Seite Nachbesserungen geben. Auf der Kirchenleitungsebene wünscht sich Bachler mehr Frauen in Führungsrollen. Derzeit gibt es nur zwei Oberkirchenrätinnen und keine Superintendentinnen. „Es ist immer noch so, dass Frauen sehr selbstkritisch sind und sich manche Ämter nicht so selbstverständlich zutrauen wie Männer. Es ist das Selbstbewusstsein, das hier gefördert gehört. Und das will ich tun“, so die neue Oberkirchenrätin.

Zuletzt war Bachler Fachinspektorin für das Unterrichtsfach Evangelische Religion an höheren Schulen in Oberösterreich. Dementsprechend wichtig ist der neuen Oberkirchenrätin auch der konfessionelle Religionsunterricht. „Religion in der Schule ist wichtig. Dabei geht es etwa darum, interreligiöse Kompetenzen zu erwerben. Das ist auch ein wichtiger Punkt gegen Radikalisierung.“ Je besser Schülerinnen und Schüler ihre eigene Religion kennen würden, umso selbstbewusster und besser könnten diese dann auch anderen Menschen begegnen, erklärte Bachler. Insofern sei der konfessionelle Religionsunterricht von hoher Bedeutung, weil die eigene Religion nicht nur in der Theorie kennengelernt werden soll. Wesentliches sei in der Theorie nicht erfahrbar: „Ich sage immer: Das ist wie Schwimmen lernen ohne Wasser.“ Gleichzeitig befürwortet Bachler einen Ethikunterricht für all jene, die sich vom konfessionellen Religionsunterricht abgemeldet haben.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Bereich der Flüchtlinge erinnerte Bachler daran, dass es „Kirchen nicht zum Selbstzweck gibt“. Sie freue sich über das kirchliche Engagement in Pfarrgemeinden, aber etwa auch beim Diakonie Flüchtlingsdienst. „Ich möchte den vielen ehrenamtlichen, aber auch den hauptamtlichen Helfern beim Roten Kreuz, der Caritas, der Diakonie, der Polizei oder dem Bundesheer großen Dank und Respekt aussprechen.“ Und Bachler betonte: „Es kommen Menschen, es kommen lauter individuelle Menschen und Schicksale, das dürfen wir dabei nicht vergessen. Es kommen Menschen mit Hoffnungen, Ängsten, Sehnsüchten und Erwartungen.“

Das bevorstehende Reformationsjubiläum im Jahr 2017 sieht Bachler einerseits als Grund zur Freude. Andererseits diene dieses Jubiläum auch dem Gedenken an die eigene Geschichte, die nicht nur positive Seiten habe. Das Jahr 2017 sei ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung der Kirche, die der ständigen Reformation bedarf. „Wir sind immer unterwegs, immer unterwegs uns zu erneuern. Das ist das Entscheidende.“

Das Gespräch, das im Essl-Museum in Klosterneuburg aufgezeichnet wurde, kann noch bis zum 7. November in der ORF-TVthek nachgesehen werden.

ISSN 2222-2464