Ausstellung über Protestantismus und Nationalsozialismus

Ein Schuldbekenntnis ist der erste entscheidende Schritt auf dem Weg der Umkehr und eine notwendige Voraussetzung für einen Neuanfang, sagte der Kärntner Superintendent Manfred Sauer bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Glaube. Gehorsam. Gewissen - Protestantismus und Nationalsozialismus" im Neuen Museum des Evangelischen Kulturzentrums Fresach. (Foto: Diözesemuseum Fresach)
Ein Schuldbekenntnis ist der erste entscheidende Schritt auf dem Weg der Umkehr und eine notwendige Voraussetzung für einen Neuanfang, sagte der Kärntner Superintendent Manfred Sauer bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Glaube. Gehorsam. Gewissen - Protestantismus und Nationalsozialismus" im Neuen Museum des Evangelischen Kulturzentrums Fresach. (Foto: Diözesemuseum Fresach)

Sauer in Fresach: „Aufarbeiten heißt, sich der Mühe zu unterziehen, genauer hinzuschauen“

Fresach (epdÖ) – „Glaube. Gehorsam. Gewissen – Protestantismus und Nationalsozialismus“ ist der Titel einer Sonderausstellung im Neuen Museum des Evangelischen Kulturzentrums Fresach, die am 27. April eröffnet wurde. Die bis zum 31. Oktober dauernde Schau gibt Einblick in die historischen und politischen Prägungen des Protestantismus, zeichnet das Verhältnis des Kärntner Protestantismus zum deutschnationalen und zum nationalsozialistischen Lager nach und reflektiert den Umgang der Evangelischen Kirche in Kärnten mit diesen Erfahrungen.

„Der Wunsch, darüber, was geschah, zu schweigen, das Erlebte und das eigene Versagen zu verdrängen, die Verantwortung zu delegieren, ist verständlich und nachvollziehbar“, sagte Superintendent Manfred Sauer bei der Eröffnung der Ausstellung. „Das, was geschehen ist, holt uns ein, taucht wieder auf, wir werden das so einfach nicht los. Aufarbeiten heißt dann, sich der Mühe zu unterziehen, genauer hinzuschauen, nachzubuchstabieren, warum es so weit kommen konnte, zu erkennen, welche Mechanismen und Umstände, welche gesellschaftlichen Bedingungen den Boden für radikale, fundamentalistische und faschistische Ideologie bereiten.“

Sauer betonte, dass ein Schuldbekenntnis der erste entscheidende Schritt auf dem Weg der Umkehr sei und eine notwendige Voraussetzung für einen Neuanfang. Dabei sei es wichtig, sich der Tragweite der eigenen Handlungen bewusst zu sein und Verantwortung zu übernehmen, nur dann sei Vergebung möglich, die man sich freilich nicht selber zusprechen kann. Sauer erinnerte in diesem Zusammenhang an die Erklärung „Zeit zur Umkehr – die Evangelische Kirche und die Juden“, die 1998 von der Generalsynode der Evangelischen Kirchen A. und H.B. in Österreich verabschiedet wurde. In dieser Erklärung bekennt sich die Kirche mitschuldig an dem Schicksal der Jüdinnen und Juden während der NS-Diktatur in Österreich. „Das Wort von der Vergebung können wir uns nicht selber sagen“, zitierte Sauer den evangelischen Märtyrer und Theologen Dietrich Bonhoeffer. Die aktuelle Ausstellung sei eine Einladung, sich der eigenen Verantwortung zu stellen, Schuld zu bekennen, um Vergebung zu bitten und bei Gott die Kraft zur Umkehr zu erbitten, so Sauer. „‚Nie wieder‘ bleibt für uns und unsere Nachfahren Herausforderung und Auftrag.“

Die Ausstellung über das Verhältnis von Protestantismus und Nationalsozialismus gliedert sich in die Schwerpunkte „Protestantismus und Deutschnationalismus (1860-1930)“, „Von der Euphorie zur Ernüchterung (Frühjahr bis Herbst 1938)“, „Duldender Gehorsam und wachsende Distanz (1939-1945)“ sowie „Vom Umgang mit dem schweren Erbe (1945-2011)“. Kurator ist der Historiker Alexander Hanisch-Wolfram, der auch die rund 100 Exponate, die teilweise aus Privathaushalten stammen, gesammelt hat. „Wenn die Besucher mit mehr Fragen aus der Ausstellung kommen, als sie vorher hatten, haben wir unser Ziel erreicht“, erklärte der Kurator vor den rund 120 Gästen bei der Eröffnung.

ISSN 2222-2464