Ausstellung „Jüdisches Leben in der Steiermark“ in Grazer Synagoge eröffnet

Superintendent Miklas: Gewinn, dass jüdisches Leben wieder öffentlich sichtbar wird

Graz, 9. November 2005 (epd Ö) – „Es bedeutet einen Gewinn für uns alle, dass jüdisches Leben in der Steiermark wieder öffentlich sichtbar wird“, sagte der Superintendent der Diözese Steiermark, Mag. Hermann Miklas, in seiner Ansprache anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Minhag Styria, Jüdisches Leben in der Steiermark“ am vergangenen Montag in der Grazer Synagoge. Miklas betonte, dass das reichhaltige jüdische Leben einmal ein „selbstverständlicher Teil unseres Landes war“. Es bedeute einen enormen Verlust, dass so vieles verloren gegangen sei. Die Ausstellung wolle an die reichhaltige jüdische Tradition in der Steiermark erinnern: „Gerade die Anschaulichkeit von Bildern aus dem alltäglichen Leben könnte dabei einen wohltuenden Hauch von Selbstverständlichkeit vermitteln.“

Die permanente Definition durch die Zeit der Verfolgung – „aus demütiger Respektsbezeugung erwachsen und unumgänglich notwendig“ – bedeute zugleich eine Rollenzuschreibung: „Exklusivität statt Selbstverständlichkeit“. So könne das Sich-Erinnern „auch einen notwendigen Schritt zurück zur Normalität darstellen“. Das Gezeigte wolle Menschen veranlassen, sich zu erinnern, „es versteht sich nicht nur als Präsentation der eigenen Überlieferung, sondern will beim Betrachter weiterführende Denkprozesse in Gang setzen.“

Anlass für die Eröffnung von „Minhag Styria“ war der fünfte Jahrestag der Wiedereröffnung der jüdischen Synagoge in Graz. Die Ausstellung zeigt Szenen aus 500 Jahren jüdischen Alltagslebens in der Steiermark.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Gérard Sonnenschein, gedachte mit der Schilderung von erschütternden Einzelschicksalen der Opfer der Shoa in Graz, Oberrabbiner Paul-Chaim Eisenberg enthüllte eine Gedenktafel in der Synagoge.

Festansprachen hielten neben Miklas als Vorsitzender des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark auch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, der steirische Landeshauptmann Mag. Franz Voves, der Grazer Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl und Staatssekretär Franz Morak.

ISSN 2222-2464