Auftakt zum Jahr der Diakonie in Niederösterreich

Am 13. April versammelten sich zahlreiche Repräsentanten von Kirche, Medien und Diakonie am St. Pöltner Rathausplatz, um das Jahr der Diakonie einzuleiten. Das Entzünden der Diakoniekerzen stellte dabei den Höhepunkt der Auftaktveranstaltung dar. (Foto: Pointner)
Am 13. April versammelten sich zahlreiche Repräsentanten von Kirche, Medien und Diakonie am St. Pöltner Rathausplatz, um das Jahr der Diakonie einzuleiten. Das Entzünden der Diakoniekerzen stellte dabei den Höhepunkt der Auftaktveranstaltung dar. (Foto: Pointner)

Auf dem Rathausplatz in St. Pölten wurde die Diakoniekerze entzündet

St. Pölten – Mit einer öffentlichen Veranstaltung auf dem Rathausplatz in St. Pölten hat die Evangelische Kirche am Samstagabend, 13. April, auf das Jahr der Diakonie aufmerksam gemacht. Das Entzünden der Diakoniekerzen bildete dabei den Höhepunkt der Auftaktveranstaltung, bei der zahlreiche Repräsentanten von Kirche, Politik, Diakonie und anderen Hilfsorganisationen zu Wort kamen.

Bischof Michael Bünker bezeichnete dabei die diakonische Arbeit in den Pfarrgemeinden als einen unverzichtbaren Beitrag zum Zusammenhalt der Gemeinschaft. Dieser Einsatz sei auch im hohen Maß sinnvermittelnd und sinnschenkend. „Wir leben immer in Nachbarschaft, die nur funktioniert, wenn der Ausgleich zwischen den einzelnen stattfindet“, betonte der Bischof. Diakoniedirektor Pfarrer Michael Chalupka wies darauf hin, dass die Kluft zwischen Armen und Reichen nicht kleiner geworden sei. Ein Ziel der Diakonie und der Kirche sei es, diese Kluft zu verringern. An die politisch Verantwortlichen appellierte Chalupka, einmal die Position zu wechseln und die Anliegen mit den Augen der Betroffenen wahrzunehmen.

Für den zweiten Präsidenten des niederösterreichischen Landtags Johann Heuras, der Landeshauptmann Erwin Pröll vertrat, bedeutet diakonische Arbeit, Brücken zu bauen, damit etwa Flüchtlinge an der Gesellschaft „andocken“ können. „Wir müssen Parallelgesellschaften verhindern“, sagte Heuras, der zur Arbeit der Diakonie feststellte: „Wir vertrauen auf die Diakonie“. Die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt St. Pölten und der Diakonie hob auch Bürgermeister Matthias Stadler hervor. „Mit dem heutigen Abend setzen wir auf diesem Platz ein wichtiges Zeichen für die Öffentlichkeit“, sagte Stadler und nannte als Ziel der Stadt St. Pölten und der Diakonie, die Flüchtlinge in kleinen Wohneinheiten mitten in die Stadt zu bringen. Das gelinge vorbildlich.

Emmausgründer Karl Rothenschlager erklärte, dass neben den Haftentlassen und den Suchtkranken zunehmend psychisch Kranke zur Zielgruppe würden. Emmaus versuche, ihnen durch Wohnung und Arbeit eine faire Chance zu geben. Gefängnispfarrer Markus Fellinger nannte als Schwerpunkt seiner Arbeit, Begegnungen zu schaffen, die den Menschen wieder Würde geben, ein „Ja“ zu verkörpern, wo so viel „Nein“ zu spüren ist. Michael Bubik, Rektor der Diakonie Eine Welt, unterstrich die Wichtigkeit, vor allem auch vor Ort zu helfen, damit Menschen zu Hause bleiben können. Im Asylverfahren bräuchten Flüchtlinge und Beamte Unterstützung. Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour plädierte dafür, Flüchtlinge als Gäste zu sehen, auf sie zuzugehen und voneinander zu lernen. In den von ORF Redakteurin Birgit Zeiss-Brammer moderierten Interviewrunden kamen auch eine Bewohnerin des Frauenhauses und ein Flüchtling aus dem Iran zu Wort, die über ihre Wege der Integration berichteten. Der junge Mann spricht übrigens nach zwei Jahren in Österreich fließend Deutsch und besucht erfolgreich die siebente Klasse im Gymnasium.

Die Kerzen, die am Diakoniesonntag die Gemeinden bei ihren Aktivitäten begleiteten, wurden von der heilpädagogischen und ergotherapeutischen Gruppe der Justizanstalt Göllersdorf hergestellt. Diese Diakoniekerze soll in den Pfarrgemeinden die Menschen, die „nicht sichtbar“ sind, in Erinnerung rufen. Die Spenden für die angebotenen Suppen wurden dem Projekt der Evangelischen Diözese NÖ gewidmet. Als Beispiel für die diakonische Verantwortung wird die nachhaltige Begleitung eines jugendlichen Asylwerbers bis zu seiner Integration übernommen. Mit 1500 Euro wurde nun ein Grundstein dafür gelegt. Eingeleitet und begleitet hatte die Auftaktveranstaltung in St. Pölten Musik der Gruppe „Kohelet 3“.

ISSN 2222-2464