Auf dem Rücken der Evangelischen Kirche

Oberkirchenrätin Reiner zu falschen Behauptungen in den Oberösterreichischen Nachrichten

Wien, 6. Oktober 2004 (epd Ö) “Herr Volksanwalt Ewald Stadler trägt in jüngster Vergangenheit seinen Ärger mit gewissen Vorkommnissen in der Römisch-katholischen Kirche gerne auf dem Rücken der Evangelischen Kirche aus.” Das erklärt die Personalreferentin der Evangelischen Kirche A.B., Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner, in einer “dringenden sachlichen Klarstellung” zu Äußerungen über die Evangelische Kirche, die in den Oberösterreichischen Nachrichten gefallen sind.

In ihrer Ausgabe vom 2. Oktober hatte die Tageszeitung zum Thema “Sollen Priester heiraten dürfen?” Statements mehrerer römisch-katholischer Kirchenmitglieder wiedergegeben, darunter auch eines des Volksanwalts und Angehörigen der konservativen Pius-Bruderschaft Dr. Ewald Stadler. In einer Stellungnahme vom 5. Oktober kritisiert Reiner scharf den Politiker, der behauptet hatte, Fälle sexuellen Missbrauchs gebe es “auch bei deutschen Pastoren” und in der Römisch-katholischen Kirche sei es “unmöglich, dass Priester ihre Ehefrauen umbringen”, auch sei das Zölibat “nicht verantwortlich für den Priestermangel”. Dazu die Oberkirchenrätin: “Sein Rundumschlag zeigt nur einmal mehr, dass er nicht bereit zu sein scheint, sich im Blick auf die Evangelischen Kirchen in Österreich genauer zu informieren.”

Kein Mangel an PfarrerInnennachwuchs

Zum Statement des ehemaligen römisch-katholischen Pfarrers und jetzigen Bürgermeisters Theobald Lummerstorfer, der von Nachwuchsmangel bei evangelischen PfarrerInen gesprochen hatte, stellt Reiner richtig: “Als Personalreferentin der Evangelischen Kirche A.B. kann ich mich jedes Jahr dankbar auf eine Zahl von AbsolventInnen der Evangelisch-theologischen Fakultät freuen, die vor ihrer Übernahme in die praktische Ausbildung in unseren Pfarrgemeinden einem diffizilen Verfahren ausgesetzt sind. Dazu kommen vermehrt Anfragen von Seiten junger VikarInnen aus diversen deutschen Landeskirchen, die sich um eine österreichische Stelle bemühen, weil es derzeit noch immer zu viele (im Blick auf die finanziellen Grenzen) junge deutsche TheologInnen gibt. Einige dieser jungen KollegInnen werden von unserer Kirche für einen bestimmten Zeitraum übernommen, bis sie wieder in der eigenen Kirche eine Anstellung finden. Freilich wird es aber auch immer wieder vakante Pfarrstellen geben, um auch einen Pfarrstellenwechsel zu ermöglichen.”

Mitleiden mit den Betroffenen

Auch den redaktionellen Einleitungstext der Statements kritisiert die Oberkirchenrätin. In dem Text wird behauptet: “In der evangelischen Kirche amüsiert man sich über die katholischen Orden, die viel Geld für Alimente ausgeben.” Dagegen Reiner: “Eine solche Unterstellung weise ich entschieden zurück. Die Evangelischen Kirchen in Österreich sehen sich vielmehr in der angesprochenen Frage des Zölibats bestätigt, Pfarrer und Pfarrerinnen ihre jeweilige Lebensform frei wählen zu lassen, und leiden in ökumenischer Verbundenheit mit den jeweils Betroffenen in der Römisch-katholischen Kirche.”

Positiv hebt Reiner hervor, “dass die Oberösterreichischen Nachrichten – anders als der ORF in einschlägigen Sendungen – zu einer innerkatholischen Thematik auch ein evangelisches Statement, von Superintendent Mag. Hansjörg Eichmeyer, eingeholt haben.” Eichmeyer hatte festgestellt, Jesus habe das Zölibat nicht gefordert, sein Jünger Petrus sei verheiratet gewesen.

ISSN 2222-2464