Attraktiver Mönch gegen starre Kirche

Oberkirchenrat Bünker zum Film „Luther“: Anliegen der Reformation wird einem breiteren Publikum bekannt gemacht

Wien, 11. Februar 2004 (epd Ö) Als „historischen Abenteuerfilm“ hat der lutherische Oberkirchenrat Univ.-Prof. Dr. Michael Bünker den Film „Luther“ bezeichnet, der am Donnerstag, 12. Februar, in österreichischen Kinos anläuft. In einem Artikel in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Furche“ schreibt Bünker, das sei zu begrüßen, wenn damit das Anliegen der Reformation einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden könne. Der Film habe in Deutschland eine unerwartet große Zuschauerzahl erreicht, er habe auch ein Publikum angesprochen, das sonst nicht ins Kino gehe. Es handle sich um eine Mischung aus Historie und heutigem Geschmack. Es gehe „um einen attraktiven, klugen Mönch, der leidenschaftlich antritt gegen eine starre und korrupte Kirche“.

Für das Interesse an Martin Luther sieht der Oberkirchenrat aktuelle Gründe. So sei der Reformator dagegen aufgetreten, dass Glaube ein Geschäft ist und für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Das spiele auch in der heutigen Diskussion um Religion und Politik eine Rolle. Auch habe Luther sich als Einzelner gegen die unglaubwürdig gewordenen Mächte seiner Zeit, wie Kaiser und Papst, gestellt. Das sei aktuell „angesichts der Konzentration der ideologischen, ökonomischen und politischen Macht in der US-Hegemonie“. Zudem habe Luther die Geschäftemacherei mit der Angst bekämpft und die Verantwortung der Regierenden für soziale Sicherheit und Bildung eingefordert. Seine Bibelübersetzung stehe „für das Anliegen von mündigen und wachen Christen und Christinnen, Bürgern und Bürgerinnen“.

Luther war kein Vorläufer der Aufklärung

In seinem Artikel warnt Bünker allerdings „vor allen schnellen Versuchen, Luther zu einem unmittelbaren Vorläufer von Aufklärung und Menschenrechten zu machen“. Er sei als historische Person zu sehr dem Mittelalter verhaftet und „kaum ein Vertreter der beginnenden Neuzeit“. Dennoch sei ohne ihn die spätere europäische Geschichte nicht zu verstehen. „Insofern“, so Bünker, „ist der vollmundige Spruch des Filmtrailers, er hätte die Welt für immer verändert, zumindest in der Sache nicht einmal allzu übertrieben“.

Filmpremieren in den Bundesländern

Morgen, Donnerstag, läuft „Luther“ in den österreichischen Kinos an. Die Superintendentur Burgenland lädt Donnerstagabend zur Premiere ins Kino Oberpullendorf. Nach einer Sondervorstellung am 17. Februar um 19.00 Uhr im Kino Eisenstadt stellen sich evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer des Burgenlandes der Diskussion über den Film.

Die Kärntner „Luther“-Premiere findet am Donnerstagabend im Großen Stadtkino in Villach mit anschließender Feier in der Superintendentur statt. In Oberösterreich lädt Superintendent Hansjörg Eichmeyer zur Premiere ins Hollywood Megaplexx in Pasching. Die Niederösterreich-Premiere erfolgt im Megaplexx St. Pölten mit anschließendem Empfang in der Superintendentur. In Graz eröffnet morgen das Schubert-Kino die Reihe der Luther-Vorführungen.

ISSN 2222-2464