Armut trotz Arbeit

Immer mehr Erwerbstätige und Menschen mit psychischen Problemen sind von Armut betroffen, warnt die Armutskonferenz.

Wien, 3. April 2002 (epd Ö) „In den Sozialberatungsstellen bemerken wir den massiven Anstieg von Hilfesuchenden, deren Erwerbseinkommen kein Auskommen sichert. Und es kommen immer mehr Menschen mit psychischen Problemen, die durch alle sozialen Netze fallen“, berichtet Martin Schenk, Sozialexperte der ARMUTSKONFERENZ. Konkret fordert das soziale Netzwerk Maßnahmen zur Vermeidung von „working poor“, wenn Menschen trotz Arbeit nicht genug zum Leben haben, und eine sozialpolitische Initiative zur Absicherung psychisch Kranker. Auf neue soziale Herausforderungen brauche es auch neue soziale Antworten“, so Schenk. 17.000 allein Erziehende lebten trotz Arbeit in akuter Armut, 40.000 seien armutsgefährdet. Neben allein ErzieherInnen sind vor allem Mehrkindfamilien und Migrantenhaushalte betroffen.

Ein niedriges Erwerbseinkommen schlage sich auch in nichtexistenzsichernden Sozialleistungen bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und in der Pension nieder. Den Interessen nachzugeben, die einen Niedriglohnsektor mit Arbeit um jeden Preis forcieren, bedeutet, „eine gesellschaftspolitische Zeitbombe auf den Weg zu bringen“, warnt der Sozialexperte.

Alle Mitgliedsorganisationen der ARMUTSKONFERENZ berichten weiters, so Schenk, dass Menschen mit psychischen Problemen verstärkt in soziale Not kommen. Viele seien in Gefahr, ihre Wohnung zu verlieren, und nicht in der Lage, ihren Alltag zu bestreiten. Die psychosozialen Stützpunkte außerhalb der Spitäler in Gemeinden und Bezirken wären unzureichend, die Instrumente aktiver Arbeitsmarktpolitik für die Betroffenen nicht ausgereift. Vielen Projekten drohen Kürzungen.

ISSN 2222-2464