Alternativmodell Pflege: Diakonie-Hausgemeinschaften Erdberg eröffnet

Innovatives Wohn-Modell in Wien verbindet drei Generationen unter einem Dach

Wien (epd Ö) – Vor einem Jahr zogen die ersten pflegebedürftigen BewohnerInnen in die Hausgemeinschaften Erdbergstraße des Diakoniewerkes in Wien ein. Am Donnerstag wurden die Hausgemeinschaften mit einer Segnungsfeier durch den Wiener Superintendenten Mag. Hansjörg Lein und den römisch-katholischen Pfarrer Mag. Christian Maresch offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Mit den Hausgemeinschaften beschreitet die Diakonie in Österreich einen neuen und alternativen Weg zur herkömmlichen stationären Pflege. „Dieses mit Leben gefüllte Modell zeigt sehr deutlich, dass stationäre Pflege und das Gefühl des ‚Sich-zu-Hause-Fühlens‘ kein Widerspruch sein muss“, betonte der Diakonie-Direktor und Vorsitzende des Evangelischen Schulwerks Michael Chalupka gegenüber epd Ö.

Gemeinsam mit dem Evangelischen Gymnasium, das ein sozial-diakonisches Profil hat, teilen sich die Generationen diesen architektonischen Neubau. In diesem Jahr haben sich nicht nur die Hausgemeinschaften zu einem erfolgreichen Wohnangebot für Menschen mit hohem Pflegebedarf entwickelt, sondern es sind auch zahlreiche Beziehungen zwischen SeniorInnen und SchülerInnen geknüpft worden.

Gäbler: Bestmögliche Lebensqualität

„Wir wollen pflegebedürftigen Menschen im Alter die bestmögliche Lebensqualität bieten“, sagte Dr. Gerhard Gäbler, Rektor des Diakoniewerkes Gallneukirchen, bei der Eröffnung. Sowohl die Hausgemeinschaften als auch das Evangelische Gymnasium bleiben, so Gäbler, „der Mittelpunkt diakonischen Handelns“. Für die Direktorin des Evangelischen Gymnasiums Wien, Mag. Elisabeth Sinn, ist die Schule mit ihrem diakonisch-sozialen Schwerpunkt „die innovativste, aber auch teuerste konfessionelle Privatschule“. Der soziale Schwerpunkt sei nicht von außen aufgesetzt, sondern werde „von innen aufgebaut“. Sinn: „Wie gehen wir miteinander um? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen und fördern oder bei Konflikten einander nicht verletzen? Dieser Austausch soll uns prägen.“ Wie dieses Voneinander-Lernen im Alltag aussieht, zeigte eine Präsentation, die SchülerInnen gemeinsam mit BewohnerInnen der Hausgemeinschaften vorstellten.

Der Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker, bekräftigte, dass die hohe Förderung der Stadt Wien „keine Sozialhilfe“ sei, sondern „ein Dank und ein Zurückgeben dessen, was die Diakonie in dieser Stadt aufgebaut hat“. Durch die Anerkennung des Diakoniewerks als Wohlfahrtsträger und die vollständige Förderung der Heimkosten haben auch Menschen mit geringen Pensionen Zugang zu „einem innovativen Pflege- und Betreuungsangebot“, erklärte die Leiterin der Diakonie-Hausgemeinschaften Erdbergstraße, Barbara Nothnagel. Sie dankte allen beteiligten Personen und Stellen für die konstruktive Zusammenarbeit, „immer das eine Ziel vor Augen: eine optimale Versorgung und Betreuung der Seniorinnen und Senioren sicherzustellen“. An der Errichtung des Projekts beteiligt waren das Evangelische Schulwerk Wien, die Wohnbauvereinigung der Privatangestellten (GPA), das Diakoniewerk Gallneukirchen und die Diakonie Österreich. Den musikalischen Rahmen der Feier gestaltete die Johann-Sebastian-Bach-Musikschule.

Hausgemeinschaften sind eine möglichst normale Wohnform für pflegebedürftige Menschen im Alter. Jeweils dreizehn von insgesamt 39 älteren Menschen leben gemeinsam in einer überschaubaren Wohneinheit mit gemeinsamem Wohnzimmer und gemeinsamer Wohnküche. Gekocht wird – zum Teil unter Beteiligung der BewohnerInnen – direkt in der Hausgemeinschaft. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin verfügt über ein eigenes Zimmer mit Bad und WC. Leben und Wohnen gehen vor – der Alltag wird so normal wie möglich gestaltet. Betreuung und Pflege gewährleistet ein multiprofessionelles Team aus diplomierten Pflegekräften, AltenfachbetreuerInnen und AlltagsmanagerIn.

Das Diakoniewerk Gallneukirchen, der Träger der Hausgemeinschaften Erdbergstraße, verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Hilfe für Menschen im Alter und führt weitere Häuser auch in Wels, Gallneukirchen, Salzburg und Graz.

ISSN 2222-2464