Altbischof Oskar Sakrausky verstorben

Der frühere evangelisch-lutherische Bischof verstarb in Fresach im 92. Lebensjahr

Fresach/Wien (epd Ö) Der ehemalige Bischof der Evangelischen Kirche A.B. Dr.h.c. Oskar Sakrausky ist am 10. Februar 2006 im 92. Lebensjahr in Fresach (Kärnten) verstorben. Sakrausky wurde am 24. März 1914 in Linz geboren. In der Zwischenkriegszeit studierte er Theologie und wurde Vikar. Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft wurde er Pfarrer in Kindberg in der Steiermark, dann in den Kärntner Gemeinden Bleiberg und Trebesing. Im Jahr 1962 wählte ihn die Synode der Evangelischen Kirche A.B. zum geistlichen Oberkirchenrat, am 28. März 1968 wurde er von der Synode zum Bischof gewählt. Dieses Amt trat er am 1. November 1968 an und bekleidete es bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 31. März 1983. Seitdem lebte Sakrausky in Fresach in Kärnten.

Oskar Sakrausky, der während seiner Amtszeit stets eine von der strengen lutherischen Tradition bestimmte Position eingenommen hat, ist auch mit zahlreichen kirchengeschichtlichen Veröffentlichungen hervorgetreten, wie etwa zur Reformationsgeschichte Kärntens. Er gestaltete 1981 im Prunksaal der Nationalbibliothek die Ausstellung „Evangelisch in Österreich“ und gab im Evangelischen Presseverband das Buch „Evangelisches Österreich – Ein Gedenkstättenführer“ heraus. 1989 erschien ebenfalls im Evangelischen Presseverband das von ihm edierte Werk „Primus Truber. Deutsche Vorreden zum slowenischen und kroatischen Reformationswerk“. In einem ehemaligen Toleranzbethaus in Fresach hatte Sakrausky schon 1960 das Kärntner Diözesanmuseum eingerichtet, das er bis zu seinem Tod als Kustos betreute. Der Altbischof war auch Obmann des Vereins für die Pflege evangelischer Glaubensüberlieferung in Kärnten, des Trägervereins des Museums.

Sakrausky wurde mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er die theologische Ehrendoktorwürde der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel, zuletzt verlieh ihm die „Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern“ im April 2005 für sein Lebenswerk den Walter-Künneth-Preis.

Zum Tod von Altbischof Oskar Sakrausky, der eine Frau, zwei Kinder, drei Enkelkinder und einen Urenkel hinterlässt, erklärte Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker in Vertretung von Bischof Mag. Herwig Sturm, der sich am Freitag im Ausland befand: „Mit Oskar Sakrausky verliert die Evangelische Kirche A.B. in Österreich einen Bischof, der durch sein Wirken, seine theologischen Überzeugungen und sein Auftreten das Leben der Kirche für lange Zeit geprägt hat. Sein Einsatz galt der Treue zum reformatorischen Erbe und der Wahrheit des Evangeliums, die er in deutlicher Profilierung verstanden hat. Dafür ist er auch manchen Konflikt innerhalb und außerhalb der Kirche eingegangen. In einigen Punkten, wie etwa der Gleichstellung der Frau im geistlichen Amt, ist ihm die weitere Entwicklung seiner Kirche nicht gefolgt. Aber auch solche Auseinandersetzungen haben zu theologischen Klärungen innerhalb der Kirche beigetragen, die sich heute noch auswirken. Die Evangelische Kirche A.B. weiß Oskar Sakrausky geborgen in der Hand Gottes. Sie gedenkt seiner und ist dankbar für den Weg, den Gott auch durch ihn seine Kirche gehen ließ. Seiner Witwe, den Kindern und Enkelkindern gehört unsere tief empfundene Anteilnahme.“

„Bischof Oskar Sakrausky war eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die unsere Kirche stark geprägt hat“, erklärte Bischof Sturm nach seiner Rückkehr von einem ökumenischen Treffen in Ungarn. Sakrauskys Verständnis des Evangeliums habe immer wieder auch zu Konfrontationen geführt, etwa in der Frage der Frauenordination oder in seiner strikten Ablehnung der Fristenlösung. Sturm: „Unbestritten ist sein persönlicher Einsatz für unsere Kirche, seine fundierten kirchengeschichtlichen Arbeiten, besonders über den Protestantismus in Slowenien und sein großartiger Einsatz für das Diözesanmuseum in Fresach.“ In der „Treue zum evangelischen Bekenntnis, in dem Mut zum öffentlichen Zeugnis und in der Liebe zu seiner Kirche“ werde Sakrausky „immer ein Vorbild bleiben“.

„Bischof Sakrausky war eine herausragende und prägende Persönlichkeit in unserer Kirche“, schreibt der Kärntner Superintendent Mag. Manfred Sauer in einem Nachruf. Mit „tiefer Überzeugung und brennendem Herzen“ habe er das Evangelium verkündet und „das reformatorische Erbe von Freiheit und Rechtfertigung weitergetragen“. Für seine Überzeugungen sei er „immer aufrecht eingetreten“, so der Kärntner Superintendent.

„Die Reformierte Kirche in Österreich trauert mit der lutherischen Schwesterkirche um Oskar Sakrausky“, schreibt Landessuperintendent Mag. Wolfram Neumann. Der reformierte Landessuperintendent würdigt Sakrausky als „Mann klarer Vorstellungen“, der auch mit jenen, die sich gegen ihn stellten, fair umgegangen sei. Sakrausky war ein „kantiger und kompromissloser Kirchenmann, der das Unpopuläre nicht scheute“, so Neumann.

In „dankbarem Gedenken für das christliche Zeugnis“ hat der Kärntner römisch-katholische Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz in einem Kondolenzbrief an Superintendent Sauer den verstorbenen evangelischen Altbischof Oskar Sakrausky gewürdigt. „In Zeiten, in denen das menschliche Leben von seinen Anfängen bis zu seinem natürlichen Ende hin vielfältig bedroht ist, ist der große Einsatz von Altbischof Sakrausky für das Lebensrecht Ungeborener nicht hoch genug einzuschätzen“, unterstreicht der Kärntner Bischof.

Auf Wunsch der Angehörigen findet die Verabschiedung nur im kleinsten Familienkreis statt. Ein Gedenkgottesdienst wird am Aschermittwoch, 1. März, um 19 Uhr in der Lutherischen Stadtkirche in Wien stattfinden.

ISSN 2222-2464