„Alle sollen Zugang zu Gütern der Erde haben“

Die Bibel brächte den Alltag der kleinen Leute, ihre Sorgen und Klagen zur Sprache, sagte Barbara Rauchwarter bei der Präsentation ihres Buches "Genug für alle. Biblische Ökonomie" in Wien, Bischof Bünker sprach einführende Worte
Die Bibel brächte den Alltag der kleinen Leute, ihre Sorgen und Klagen zur Sprache, sagte Barbara Rauchwarter bei der Präsentation ihres Buches "Genug für alle. Biblische Ökonomie" in Wien, Bischof Bünker sprach einführende Worte

Barbara Rauchwarter präsentierte ihr Buch über biblische Ökonomie

Wien (epdÖ) – „Immer irritierte mich die ungleiche Verteilung von Mitteln zum Leben zugunsten Weniger“, bekannte die evangelische Theologin und Religionspädagogin Barbara Rauchwarter bei der Präsentation ihres Buches „Genug für alle. Biblische Ökonomie“, am 17. Februar in der Evangelischen Akademie in Wien. Die Bibel brächte den Alltag der kleinen Leute, ihre Sorgen und Klagen zur Sprache, so Rauchwarter in ihrer Lesung. Zwar seien die biblischen Texte in einer Agrargesellschaft entstanden, sie würden aber die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit analysieren und reflektieren. „Es gilt, die leitenden Prinzipien zu erkennen, die sich dann sehr wohl in moderne Gesellschaften übertragen lassen“, sagte die Autorin. Die Bibel, die für Rauchwarter mit den Jahren zum wichtigsten Buch wurde, zeige, dass Gott sich an die Seite von Unterdrückten und Kleingemachten stelle und hinabsteige in die Niederungen menschlicher Existenz. Dies komme besonders auch in einer Sichtweise auf die Bibel zum Ausdruck, wie Rauchwarter sie vertritt: „Gott ist der Eigner der Welt, er allein hat das Besitzrecht. Der Mensch ist Verwalter (oikonomos) und Nutznießer, der unter dem Segen Gottes in einer Mitwelt lebt und sie mit anderen gestaltet. Alle Menschen sollen ohne gegenseitige Rivalität Zugang zu den Leben schaffenden und bedingenden Gütern der Erde haben.“

„Es geht nicht darum, herauszufinden, wie es damals gewesen ist. Barbara Rauchwarter fragt mit einem bestimmten Interesse zurück, und sie gewinnt durch diese Rückfrage neue Impulse und Orientierung für das Handeln heute“, beschrieb der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei der Buchpräsentation das Werk der Autorin. Rauchwarter würde deutlich aufzeigen, wie anregend es sei, bei der Bibel in die Schule zu gehen. „Lesen in der Bibel ist kein Glasperlenspiel. Lesen in der Bibel ist berührend, anrührend, aufrührend“, so Bünker. In der Bibel gehe es immer wieder auch um ökonomische Verhältnisse. Besitzverzicht, Reichtumskritik, Armenversorgung oder etwa die grundsätzliche Ablehnung eines entfesselten Finanzmarktes seien Themen biblischer Erzählungen. Insofern gäbe es einen starken Zusammenhang zwischen Theologie und Ökonomie, betonte der Bischof. Obwohl zu einer anderen Zeit und unter anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entstanden, könne die Bibel nach wie vor der Orientierung auch in ökonomischen Fragen dienen. „Insofern erweist sich das Bibellesen nicht als historische Ablenkung, sondern als höchst aktuelle Inspiration für die Orientierung in den Fragen von heute und morgen.“

„Genug für alle. Biblische Ökonomie“ von Barbara Rauchwarter, erschienen im Wieser Verlag, Edition Primož Trubar, editiert von Maria Katharina Moser, EUR 14,80, ISBN: 978-3-99029-015-6, erhältlich auch im Shop auf evang.at.

ISSN 2222-2464