Akademie-Direktorin Kirsten Beuth in ihr Amt eingeführt

Kirsten Beuth ist die neue Direktorin der evangelischen Akademie Wien
Kirsten Beuth ist die neue Direktorin der evangelischen Akademie Wien

Gottesdienst und Symposium im Zeichen von Kontinuität und Aufbruch – Oberkirchenrat Schiefermair warnt vor Überbewertung des beruflich-materiellen Erfolgs

Wien (epdÖ) – Kirsten Beuth, die neue Direktorin der Evangelischen Akademie Wien, ist gemeinsam mit ihrem Team in einem Gottesdienst am Samstag, 5. November, durch Superintendent Hansjörg Lein und Landessuperintendent Thomas Hennefeld im Wiener Albert Schweitzer Haus in ihr Amt eingeführt worden. Erwachsenenbildung stelle eine große Herausforderung dar, betonte Lein in seiner Ansprache während des Gottesdienstes. Er bewundere den Mut aller, die sich dieser Aufgabe stellen. „Diese Amtseinführung soll dazu dienen, ihnen den Rücken zu stärken und sie spüren zu lassen, dass wir als Gemeinschaft Verantwortung übernehmen für die Erwachsenenbildung.“

Landessuperintendent Hennefeld erinnerte daran, dass die Akademie immer auch ein Ort gewesen sei, wo Menschen in Not – Fremde oder etwa Flüchtlinge – Zuflucht finden konnten. Er wünsche dem neuen Team etwas von der „lebendigen Hoffnung, die Gott in die Menschen legt“.

Mut, Phantasie und „viel Geduld miteinander und mit der Akademie“ wünschte die ehemalige Direktorin Waltraut Kovacic. Der ehemalige Studienleiter Roland Werneck brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass einerseits Kontinuität gewahrt und andererseits ein neuer Aufbruch gewagt werde. Oberkirchenrat Karl Schiefermair ging in seinem Grußwort auf die Bedeutung des griechischen Wortes Akademie ein. Der Name leitet sich vom Ort der Philosophenschule des Platon ab, die sich bei einem Olivenhain des griechischen Helden Akademos befand. Ein Olivenhain sei ein Garten, der gepflegt gehöre, erläuterte Schiefermair. „Wenn man einen Garten aber ein Jahr lang nicht mehr kultiviert, dann ist er kein Garten mehr“, sagte er in Blick auf die Evangelische Akademie Wien. Susanne Heine als Vertreterin der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien hob die gute Zusammenarbeit zwischen Akademie und Universität hervor. Mit ihrer „kreativen Gestaltungskraft und dem enormen Ideenreichtum“ leiste sie einen wichtigen Beitrag, der in großem Maße von Frauen komme.

Dem Gottesdienst zur Amtseinführung gingen zwei Impulsreferate und ein Podiumsgespräch voraus. Kritisch zu der Forderung nach mehr Erwachsenenbildung im derzeit laufenden Bildungsvolksbegehren äußerte sich Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Wer beruflich nicht zurückbleiben wolle, müsse sich ständig lernend fit halten, um möglichst viele vom Arbeitsmarkt geforderte, bis dato verpasste Qualifikationen vorweisen zu können. Vor diesem Hintergrund sei die Rede vom „lebenslangen Lernen“ kritisch zu betrachten. „Die Ziele lassen einen misstrauisch werden: Was ist die Funktion dieser Bildungsarbeit?“, fragte Schiefermair. Es sei allein die „employability“, die lebenslange Anpassung an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes durch maßgeschneidertes Lernen. „Das macht das Reden von einer ‚Wissensgesellschaft‘ so verdächtig. Wissen in diesem Sinne dient ausschließlich der Verwertbarkeit und schafft Menschen, die sich nur mehr über ihren beruflich-materiellen Erfolg als ‚wertvoll‘ definieren.“

Volker Elsenbast, Direktor des Comenius-Instituts in Münster und ehemaliger Vorgesetzter von Kirsten Beuth, ging in seinem Vortrag auf das Spannungsverhältnis zwischen Humanität und Ökonomisierung von Erwachsenenbildung ein. Es gäbe ein Menschenrecht auf Bildung, so Elsenbast. Dieses leite sich von der unveräußerlichen Würde des Menschen ab, die ihm von Gott gegeben sei. Das sollte bei der Diskussion um Bildungsgerechtigkeit nicht vergessen werden. Die Einforderung des Rechts sei aber schwierig. Er warnte vor der Instrumentalisierung von Bildung durch die postindustrielle Gesellschaft. „Angesichts der Ökonomisierung von Kultur wird Bildung immer wichtiger.“ Bei Erwachsenenbildung gehe es darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten.

Moderiert wurde das Podiumsgespräch von der ORF-Journalistin Astrid Schweighofer.

ISSN 2222-2464