AIDS-Bericht: Christliche Gemeinden in Afrika mehr einbeziehen

Potential der Kirchen in Kampf gegen Aids anerkennen

Ottawa (epd Ö) – Vor der Welt-AIDS-Konferenz im kanadischen Toronto haben afrikanische Kirchen mehr internationale Anerkennung und Finanzierung ihres Beitrags zur Versorgung von Menschen mit HIV/AIDS gefordert. Die Autoren eines von der britischen Entwicklungshilfeorganisation „Tearfund“ veröffentlichten Berichts schätzen den Wert der sozialen AIDS-Arbeit der Kirchen auf jährlich umgerechnet 18 Milliarden Euro. Im Vorfeld der großen AIDS-Konferenz der UNO fand in Toronto eine zweitägige ökumenische Konferenz zum gleichen Thema statt.

Wie es hieß, arbeiteten 97 Prozent der christlichen Gemeinden in sechs afrikanischen Ländern für Waisen und gefährdete Kinder. In Namibia engagierten sich 79 Prozent der Kirchen und christlichen Organisationen in der AIDS-Hilfe.

Kritisch setzt sich der in Toronto vorgelegte Report mit kirchlichen Standpunkten gegenüber Sexualität und Geschlechterrollen auseinander. Der frühere anglikanische Erzbischof von Canterbury, George Carey, schreibt im Vorwort: „Zu oft versagen die Kirchenführer, wenn es darum geht, offen über Sexualität zu sprechen; sie verpassen so die Chance, Verhaltensänderungen zu bewirken.“

„Tearfund“-Sprecherin Veena O’Sullivan forderte einen „frischen Wind im Kampf gegen AIDS“. In vielen der rund zwei Millionen Kirchengemeinden Afrikas sei jedes einzelne Mitglied in der Hilfe für AIDS-Waisen und gefährdete Kinder engagiert. Die internationalen Geberorganisationen müssten dringend das Potential der Kirchen erkennen und sicherstellen, dass finanzielle Hilfen schnellstmöglich an der Basis der afrikanischen Gesellschaften ankommen. Durch ausreichende Finanzierung könnten Kirchen auch in der Prävention der HIV-Weitergabe von Müttern auf Kinder aktiv werden und so viele der jährlich 600.000 Neuinfektionen vermeiden.

Der US-Priester, Autor und Berater der Nichtregierungsorganisation „World Vision“, Rick Warren, betonte in Toronto, Kirchen hätten den größten Pool ehrenamtlicher Helfer und die größte Glaubwürdigkeit vor Ort: „Es gibt keine Regierung und keine NGO, die auf eine 2.000-jährige Geschichte zurückblicken kann.“

Die Teilnehmer sprachen sich für eine stärkere Einbeziehung von Frauen und Jugendlichen in die kirchliche AIDS-Arbeit aus. Eine Delegierte des Lutherischen Weltbundes, Sonia Covarrubias aus Chile, sagte: „Die Kirche sollte offen dafür sein, mit allen Gruppen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Programme zu entwickeln.“

Der für Gesundheit zuständige Vertreter der katholischen Bischofskonferenz Indiens, Alex Vadakumthala, kritisierte, die Kirchen hätten sich bislang zu wenig bemüht, ihren Platz im gemeinsamen Kampf gegen AIDS zu besetzen. Stattdessen verhielten sie sich so, als müssten sie diese komplexe Krise allein meistern.

Die 16. Welt-AIDS-Konferenz tagt bis Freitag, 18. August. Am einwöchigen Treffen in Toronto nehmen 20.000 Personen aus Wissenschaft, Medizin und Entwicklungshilfe teil. Dabei sollen Fortschritte und Rückschläge sowie Perspektiven und Ziele des weltweiten Engagements gegen die tödliche Immunschwäche beleuchtet werden. Im Zentrum steht der wissenschaftliche Austausch. Weltweit sind fast 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert.

ISSN 2222-2464