Abschied von Theologin Dorothee Sölle in Hamburg

Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter würdigte Sölle in der Hauptkirche St. Katharinen als „eine der großen Frauen unserer Zeit“

Hamburg, 7. Mai 2003 (epd) Mehr als tausend Trauergäste aus dem In- und Ausland haben am Montag, 4. Mai, in Hamburg Abschied von der verstorbenen evangelischen Theologin und Publizistin Dorothee Sölle genommen. Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter würdigte Sölle in der Hauptkirche St. Katharinen als „eine der großen Frauen unserer Zeit“. „Die prophetische und poetische Stimme dieser Frau wird uns fehlen“, fügte sie hinzu. Sölle, die mit dem Religionspädagogen Fulbert Steffensky verheiratet und Mutter von vier Kindern war, war am 27. April im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Unter den Trauergästen aus Kirche, Kultur und Gesellschaft waren auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, die Bischöfinnen Maria Jepsen (Hamburg) und Margot Käßmann (Hannover) sowie die Vizepräsidentin des Bundestages, Antje Vollmer (Grüne).

Sölle habe eine große Gemeinde zusammengeführt mit ihrer „Sehnsucht nach authentischer Gottesbegegnung“, sagte Wartenberg-Potter. Die Theologin habe eine „neue Sprache und neue Bilder von Gott“ gefunden. „Worte wie Brot, Texte voll Klarheit und konkreten Lebens, ehrlich, genau, licht.“ Dennoch habe ihr dies keinen Platz an den theologischen Fakultäten Deutschlands eingebracht: „Ich halte dies für eine der bemerkenswertesten Torheiten der Kirchengeschichte der Nachkriegszeit“, sagte Wartenberg-Potter unter Beifall der Trauergemeinde. Wie keine andere habe Sölle „in die Gottesfinsternis des 20. Jahrhunderts ihr theologisches Licht getragen“. Nach Auschwitz, nach dem „Tode Gottes“, habe sie es Christen wieder ermöglicht, „Gott zu sagen, Gott zu denken, Gott zu meinen und Gott zu glauben“. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde Sölle auf dem Friedhof in Hamburg-Nienstedten beigesetzt.

ISSN 2222-2464