„Abschiebepraxis ist Armutszeugnis für Österreich“

Martin Müller, Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten und Pfarrer in Waiern, kritisiert scharf die österreichische Abschiebepraxis. (Foto: epd/Uschmann)
Martin Müller, Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten und Pfarrer in Waiern, kritisiert scharf die österreichische Abschiebepraxis. (Foto: epd/Uschmann)

Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten, Martin Müller, spricht von „politischem Stimmenfang“

Waiern (epdÖ) – Es sei ein „Armutszeugnis“, wenn Österreich, das eine weltoffene Demokratie sein will, ein kreatives Potenzial an Menschen nicht zu integrieren vermag, schreibt der Leiter der Evangelischen Akademie Kärnten, Pfarrer Martin Müller, in einem Leserbrief in der Kleinen Zeitung am 2. August. Seit Monaten werde über drohende oder bereits vollzogene Abschiebungen von Asylwerbern sowie zwangsweise Festnahmen zur Abschiebung berichtet. Müller: „Dabei ist von Menschen die Rede, die zum Teil schwer traumatisiert sind.“ Abgesehen von der Tragik von Menschenschicksalen und der bedrohten Qualität des Asylrechts unserer Republik liege die „Absurdität in der sachlichen Frage: Sind wir uns bewusst, wie viel wertvolle Kapazität an Wissen und sozialer Kompetenz wir verlieren, wenn wir Menschen abschieben, die zum Teil bestens integriert sind?“ So stünden viele in einem prosperierenden Arbeitsprozess, „ihre Kinder haben in unserem Land eine gute Ausbildung genossen, sie sind motiviert, ihre Kraft und Energie ihrer neuen Heimat zur Verfügung zu stellen“.

Müller spricht von „politischen Stimmenfängern“, die mit ihrer „Das Boot ist voll“-Mentalität diffuse Ängste für sich nutzbar machen wollen. „Vielleicht werden nachfolgende Generationen uns unsere Abschottungsmentalität anklagend vor Augen halten, wenn unsere abschiebefreudige Gesellschaft vergreist ist und die Soziallasten nicht mehr finanziert werden können.“

ISSN 2222-2464