70 Jahre November-Pogrome: Lichter-Schweigemarsch in Graz

Glocken aller steirischen Kirchen läuten fünf Minuten

Graz (epd Ö) – Mit einem Lichter-Schweigemarsch in Graz und dem Glockengeläute von allen steirischen Kirchtürmen gedenken die christlichen Kirchen in der Steiermark am Sonntag, 9. November der Ereignisse in der so genannten Reichspogromnacht vor 70 Jahren. Wie der römisch-katholische Bischofsvikar Stadtpfarrpropst Heinrich Schnuderl am Freitag sagte, sei es heute noch „bedrückend, dass die Kirche damals ihr Wächteramt kaum wahrgenommen hat“.

Der evangelische Superintendent Hermann Miklas mahnte zum „betroffenen Innehalten im Gedenken an das unermessliche Leid, das unseren jüdischen Glaubensgeschwistern angetan wurde“. Auch er bekannte, dass auch die christlichen Kirchen des Landes im Jahr 1938 den Ernst der Lage nicht in vollem Ausmaß erkannt hätten; er hätte sich gewünscht, dass „mutiger bekannt, treuer gebetet, fröhlicher geglaubt und brennender geliebt“ worden wäre.

Im Gedenken an die Ausschreitungen, der in Graz die Synagoge und die Zeremonienhalle zum Oper fielen, veranstaltet das Ökumenische Forum Steiermark am Sonntag nach einer kurzen Besinnung in der Stadtpfarrkirche um 19.15 Uhr einen Lichter-Schweigemarsch zur neuen, im Jahr 2000 eingeweihten jüdischen Synagoge. Um 20.00 Uhr werden Glocken auf allen steirischen Kirchtürmen läuten und fünf Minuten lang zur Mahnung und Besinnung aufrufen. In der Synagoge beginnt zur gleichen Zeit eine Gedenkveranstaltung.

ISSN 2222-2464