650 Jahre Universität Wien: Ökumenische Feier

Bischof Michael Bünker, Kardinal Christoph Schönborn, Metropolit Arsenios Kardamakis mit Mitgliedern des Domkapitels kurz vor Beginn der ökumenischen Vesper im Stephansdom. Foto: epd/Uschmann
Bischof Michael Bünker, Kardinal Christoph Schönborn, Metropolit Arsenios Kardamakis mit Mitgliedern des Domkapitels kurz vor Beginn der ökumenischen Vesper im Stephansdom. Foto: epd/Uschmann

Bischof Bünker: Theologie ist Anwältin der Wissenschaft

Wien (epdÖ) – Die Universität Wien hat am Donnerstagabend, 12. März, ihren 650. Gründungstag im Wiener Stephansdom gefeiert. Vertreter der Universität, der Religionsgemeinschaften in Österreich, aus Staat und Gesellschaft sowie das gesamte Domkapitel kamen zu einem ökumenischen Wortgottesdienst, um sich „auf die Tiefe der Quellen zu besinnen, aus denen Wissenschaft und Weisheit seit jeher geschöpft haben“, wie Kardinal Christoph Schönborn betonte. Verlesen wurde im Rahmen der Feier, bei der ein Kranz für den in der Domkrypta bestatteten Universitätsstifter Rudolf IV. niedergelegt wurde, auch eine Grußbotschaft von Papst Franziskus.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker unterstrich in seiner Predigt das nötige Wechselspiel von Vernunft und Glaube sowie den Platz der Theologie im Haus der Wissenschaften, „ohne Universität ist die Theologie nicht denkbar“. Gerade in einer Zeit des „unübersehbar ausbrechenden religiös verkleideten Verbrechertums“ leiste die Theologie einen unverzichtbaren Beitrag, „auch mit dem unverfügbaren Glauben Freiheit in Verantwortung für die Welt und die Menschen zu leben“. So wie die Theologie die Vernunft vor der ihr innewohnenden Unvernunft bewahren helfe, helfe umgekehrt die Vernunft dem Glauben „vor dem ihm innewohnenden Unglauben und Irrglauben, der sich der öffentlichen vernunftgeleiteten Auseinandersetzung entziehen möchte“, sagte der Bischof. Als „Anwältin der Wissenschaft“ habe sich die Theologie „nicht im abgeschiedenen Elfenbeinturm, sondern in wacher und kritischer Zeitgenossenschaft“ zu bewähren.

Nach Worten von Papst Franziskus muss sich die Universität außer um Wissen ebenso um das „Erkennen, was recht, gut und wahr ist“, bemühen und in Zeiten notwendiger Spezialisierung das Ganze nicht aus den Augen verlieren. Der Papst sprach in seinem Brief die Prinzipien der Vernunft und Wahrheit an, die die Freiheit der Wissenschaft begründeten, im Laufe der Universitätsgeschichte jedoch manchmal auch missachtet worden seien. Heute bestehe die Herausforderung darin, diese Freiheit durch Mittelvergabe, Förderungen, Nützlichkeitsorientierung oder Machteinflüsse nicht zu gefährden.

Auf die seit Anfang enge Verbindung und gemeinsame Geschichte der Universität und der katholischen Kirche in Wien wies auch Universitätsrektor Heinz Engl hin: So habe Rudolf IV. im Jahr 1365 bloß vier Tage nach der Universität das Wiener Domkapitel gegründet, das zum Grundstein für den erst rund 100 Jahre später errichteten Wiener Bischofssitz werden sollte. Monate später, am 18. Juni, erfolgte die päpstliche Genehmigung durch Urban V. Der jeweilige Wiener Dompropst war dann über Jahrhunderte stets Kanzler der Universität – bis 1873, als diese Funktion auf die 1384 gegründete Katholische Fakultät beschränkt wurde.

Universität und katholische Kirche hätten in Wien gute und schwierige Zeiten stets gemeinsam durchlebt, so Engl. Auf die dunklen Jahrzehnte der Universität in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts legte der Rektor besonderes Augenmerk: Als besonderer „Ort weltanschaulicher Auseinandersetzung“ habe es hier gegen Ende der Monarchie eine Radikalisierung gegeben, mit der Unrecht, Gewalt und Antisemitismus eingezogen seien; die Universität rufe dies „mit Trauer“ in Erinnerung und gedenke der Opfer im Nationalsozialismus, unterstrich Engl. Zahlreiche jüdische Lehrende wurden ab 1938 ihrer Ämter enthoben und landeten in Konzentrationslagern. Heute sei die Universität Wien säkular, dabei aber Heimat für die Theologie in Forschung und Lehre geblieben, und zwar für katholisches, evangelisches und orthodoxes Christentum ebenso wie für Judentum und Islam, erklärte der Universitätsrektor. Eine heutige Herausforderung sei es, dass für Menschen mit bildungsfernem Hintergrund der Zutritt weiterhin erschwert sei.

Größte und älteste deutschsprachige Uni

Bereits am Donnerstagvormittag hatte ein Festakt im Festsaal der Universität mit Bundespräsident Heinz Fischer, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Bürgermeister Michael Häupl stattgefunden. Am Freitag stand eine Eröffnungskonferenz zum Thema „Global Universities as Driving Forces of Innovations“ auf dem Programm, die den wissenschaftlichen Auftakt für das Jubiläumsjahr bildet.

Die Universität Wien – im lateinischen Namen „Alma Mater Rudolphina Vindobonensis“ – wurde am 12. März 1365 gegründet. Heute ist sie mit rund 92.000 Studierenden und 9500 MitarbeiterInnen die älteste und größte Hochschule im gesamten deutschsprachigen Raum und eine der größten in Mitteleuropa. 187 Studienrichtungen werden derzeit angeboten.

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ISSN 2222-2464