50 Jahre Ökumenischer Jugendrat in Österreich

Festakt in Wien

Wien, 5. März 2008 (epd Ö) Mit einem Festakt in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Wien-Fünfhaus hat der Ökumenische Jugendrat in Österreich am Freitag, 29. Februar, an seine Gründung vor 50 Jahren erinnert. Dabei wollte der Jugendrat, so Vorsitzende Sylvia Berger, nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft blicken. Der ÖJR präsentierte bei dem Festakt sein neues Logo – es zeigt ein symbolisiertes Schiff – und verwies auf die Website www.junge-oekumene.at, die einen Überblick über die Tätigkeiten der konfessionellen Jugendplattform bietet. Intensivieren will der ÖJR die Kontakte zur Muslimischen Jugend, deren Vertreter ebenfalls am Festakt teilnahmen.

Gekommen waren mehrere hochrangige Repräsentanten der Kirchen und der Ökumene, aber auch Mitglieder aus den ersten Jahren des Jugendrates, wie etwa der langjährige evangelische Jugendpfarrer und spätere Diakonie-Direktor Ernst Gläser, der zu den Gründungsmitgliedern zählt.

„Wir wünschen uns eine begeisterte Jugend und eine intensive Zusammenarbeit“, sagte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Altbischof Herwig Sturm, in seinem Grußwort. Im Jänner 1958 wurde der Ökumenische Jugendrat vom Evangelischen Jugendwerk, der altkatholischen, baptistischen und methodistischen Jugend gegründet. Im Dezember darauf erfolgte die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich.

Der ÖJR sei bis heute eine eigenständige Organisation geblieben, erklärte der frühere methodistische Superintendent Helmut Nausner in seinem Rückblick. Nausner gehörte von 1960-67 dem ÖJR an, darunter mehrere Jahre als Vorsitzender: „Damals haben wir erlebt, wie unkompliziert wir miteinander umgegangen sind“, die erste Begegnung mit den römisch-katholischen Geschwistern sei „die aufregendste und anregendste Erfahrung gewesen, die ich nicht mehr missen möchte“.

Über die Einstellung junger Menschen zu den Themen Religion und Kirche informierte Regina Polak vom Institut für Praktische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien. Dass Kirchen und Religionsgemeinschaften „legitimationspflichtig“ geworden sind, beurteilt die Theologin nicht negativ, im Gegenteil: „Ich halte das für einen Kairos, sich in den Kirchen neu zu besinnen, warum wir Christen sind.“ Ausgehend von der Jugendwerte-Studie 2006-07 konnte Polak berichten, dass die Aufmerksamkeit für Religion gestiegen sei, in der religiösen Praxis junger Menschen kämen die Kirchen jedoch nicht vor. Es herrsche eine „gottesfreundliche Religionslosigkeit“, die Frage der religiösen Bildung durch Kirchen werde in diesem Szenario zur Schlüsselfrage. „Gott“ sei bei jungen Menschen ein „skeptisch-sehnsüchtig beäugter Platzhalter, groß sei die Skepsis, aber auch die Sehnsucht. Angesichts der Probleme, die junge Menschen betreffen, wie die Sorge um den Arbeitsplatz, die Umwelt oder die Gestaltung von Beziehung in einer sich globalisierenden Welt blieben die Kirchen Antworten schuldig.

ISSN 2222-2464