50 Jahre Evangelische Superintendenz Salzburg-Tirol

Seit 50 Jahren besteht die Evangelische Superintendenz Salzburg-Tirol. Eröffnet hat die Feier im Landhaus der Kinderchor der Johann Sebastian Bach Musikschule. Foto: epd/Dasek
Seit 50 Jahren besteht die Evangelische Superintendenz Salzburg-Tirol. Eröffnet hat die Feier im Landhaus der Kinderchor der Johann Sebastian Bach Musikschule. Foto: epd/Dasek

Innsbruck: Festakt im Zeichen der Ökumene

Innsbruck (epdÖ) – Ihr 50-jähriges Bestehen feierte die evangelische Diözese Salzburg-Tirol mit einem Festakt am Freitagabend, 9. Dezember, im Landhaus in Innsbruck. Geprägt war die Feier vom Klima des ökumenischen  Miteinanders, das in Festreden und Grußworten deutlich hervorgehoben wurde. Superintendent Olivier Dantine konnte zu der Feier zahlreiche Repräsentanten der Kirchen und des öffentlichen Lebens begrüßen, unter ihnenLandtagspräsident Herwig van Staa, die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der emeritierte Erzbischof Alois Kothgasser, der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Synodenpräsident Peter Krömer und die frühere Superintendentin der Diözese Salzburg-Tirol, Luise Müller. Vertreten waren auch alle Mitglieder der evangelischen Generalsynode, die bis Samstag in Innsbruck tagte, mit allen Mitgliedern des gesamtösterreichischen Oberkirchenrates, allen Superintendenten und ihren weltlichen Pendants, den SuperintendentialkuratorInnen.

Von ursprünglich sieben Pfarrgemeinden sei die Superintendenz Salzburg-Tirol seit ihrer Gründung auf 16 Pfarrgemeinden gewachsen, erinnerte Superintendent Dantine. Ihre Geschichte habe gleich mit einem „ökumenischen Paukenschlag“ begonnen, als 1966 der damalige Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher die evangelischen Christinnen und Christen um Vergebung für die Protestantenvertreibung von 1731/32 gebeten hatte.

Superintendent Olivier Dantine. Foto: epd/Fleischner-Janits
Superintendent Olivier Dantine. Foto: epd/Fleischner-Janits

In Vertretung des erkrankten Innsbrucker Diözesanadministrators Jakob Bürgler verlas der Regens des Innsbrucker Priesterseminars Roland Buemberger dessen Grußwort. Darin zeigte sich Bürgler dankbar, dass nach Abgrenzung und Anfeindung nun zwischen den Kirchen ein Miteinander gewachsen sei. Dieses sei „nicht selbstverständlich, sondern ein kostbares Gut“. Das 50-Jahr-Jubiläum der Superintendenz Salzburg-Tirol „erinnert uns daran, Christus in die Mitte zu stellen und mit all unserer Verschiedenheit nach der sichtbaren Einheit zu suchen“, schreibt der Vertreter der katholischen Diözese Innsbruck.

„Wir sollten uns des Miteinanders bewusst sein und dieses in den alltäglichen Begegnungen leben“, meinte Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer in ihrem Grußwort. Gleichzeitig dankte die Bürgermeisterin der Evangelischen Kirche für den Zusammenhalt und dafür, dass sie „das Miteinander in der Stadt Innsbruck hochhält“.

Den Dank des Landes Tirol für das aktive Mitwirken und die Leistungen der Evangelischen Kirche für die Gesellschaft sprach Landtagspräsident Herwig van Staa aus. Er hoffe, dass die Ökumene über Toleranz hinausgehe und sich zu einem echten Miteinander entwickelt habe. In politischen Auseinandersetzungen beobachtet der Landtagspräsident hingegen, dass zunehmend nicht Brückenbauer den Ton angeben, sondern jene, die das Klima verschärfen.

Synodenpräsident Peter Krömer zeigte sich dankbar für das gewachsene Miteinander und die wechselseitige Unterstützung zwischen den Kirchen und dem Land. Das Klima, das heute zwischen den Kirchen herrsche, hätten sich „Evangelische vor 100 Jahren nicht vorstellen können“, sagte der Synodenpräsident.

Bauer: Kirchen müssen hinausgehen zu den Menschen

Für eine „Ökumene der dritten Art“ plädierte der Pastoraltheologe Christian Bauer (Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck) in seinem Festvortrag. Darunter versteht er eine Ökumene nicht nur zwischen den christlichen Kirchen, sondern auch mit Atheisten und religiös indifferenten Menschen – eine Begrifflichkeit, die auf den katholischen Theologen Eberhard Tiefensee zurückgeht. „Für die Kirchen ist das eine Frage der Zukunft: Wie hältst du es mit dem Außen?“, ist Bauer überzeugt. „Die Kirchen müssen gemeinsam die Herausforderung der Diasporasituation sportlich annehmen und hinausgehen zu den Menschen.“ Dabei gehe es aber nicht darum, Menschen zu bekehren, vielmehr würden „wir diese Menschen für unsere eigene Gottsuche brauchen“. Ökumene bedeute aber auch, rückbezogen auf den griechischen Ursprung des Wortes, die Sorge um das gemeinsame Haus aller Menschen, wo vieles „aus den Fugen geraten ist“. Die Kirchen müssten von daher auch gemeinsam gegen die Feinde der offenen und liberalen Gemeinschaft kämpfen, die Bauer in „der FPÖ, den ‚Identitären‘ und den rechtspopulistischen Bewegungen“ sieht. „Vielleicht finden wir dann ja auch im Außen neue Verbündete für die Sache Jesu!“

Musikalisch gestaltete den Festakt die Johann Sebastian Bach Musikschule Innsbruck mit ihren Kinderchören, KlavierschülerInnen sowie einem Jazz- und einem Gitarrenensemble.

Fotos vom Festakt und von der Synode (auch in Druckqualität) auf foto.evang.at

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ISSN 2222-2464