Lutherischer Weltbund tagt in Kanada

>23. Juli 2003 (epd Ö) Mit Kritik an den kanadischen Behörden ist die zehnte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) am Montagabend (MEZ), 21. Juli, in Winnipeg eröffnet worden. Die Konferenz von lutherischen Christen aus aller Welt wird überschattet vom Einreiseverbot für Teilnehmer aus der Dritten Welt. 60 Kirchenvertreter seien noch immer ohne Einreisevisum. In seiner Eröffnungsrede äußerte der scheidende Präsident des LWB, der frühere Braunschweiger Landesbischof Christian Krause, vor dem Hintergrund des Irak-Krieges auch Kritik an den USA.

Teilnehmern aus Asien und Afrika hatte Kanada die Einreise verweigert, da die Behörden befürchten, sie könnten Asylanträge stellen. Die Visaverweigerung sehe der Weltbund „mit tiefster Betroffenheit und Sorge“, berichtete die Organisation. Die Haltung Kanadas mache die Ausgrenzung des armen Südens aus der weltweiten Gemeinschaft deutlich.

Eröffnet wurde das Treffen mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kathedrale St. Boniface.

Das zehntägige Treffen unter dem Motto „Zur Heilung der Welt“ finde statt „in einer zerbrochenen Welt, auf einem zerbrochenen Planeten und in Gemeinschaft mit zerbrochenen Menschen“, sagte Bischof Krause zum Auftakt vor den rund 800 KonferenzteilnehmerInnen und hunderten Gästen. Angesichts der wirtschaftlichen Globalisierung werde der Wert des Menschen zusehends nur noch nach Einkommen und Leistung beurteilt und damit selbst in Frage gestellt. In dieser Situation bedeute Heilung mehr als nur die Überwindung von Krankheiten, betonte Schultz.

Krause erklärte weiters, die USA seien die einzig verbliebene Weltmacht, die gegenwärtig militärisch so überlegen sei, dass sie auf diesem Gebiet keinen Gegner zu fürchten habe. Und sie seien entschlossen, den Krieg als Mittel der Politik einzusetzen, wenn das in ihrem Interesse liege. „Das Völkerrecht kann den Frieden nicht sichern, wenn die USA dieses Völkerrecht nicht respektieren, sondern an seine Stelle das Recht des Stärkeren setzen.“ Zugleich forderte der Bischof zum Kampf gegen die Immunschwäche-Krankheit Aids auf, die er als „die moderne Geisel der Menschheit“ bezeichnete. Armut und Aids seien die erste große Herausforderung für die Weltgemeinschaft des 21. Jahrhunderts.

Ökumenische Gäste des festlichen Auftakts waren unter anderem Erzbischof Michael Peers, Primas der Anglikanischen Kirche von Kanada, Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Erzbischof Emilius Goulet von der römisch-katholischen Diözese St. Boniface, von der die Kathedrale St. Boniface für den Eröffnungsgottesdienst bereit gestellt worden war.

Dem Auftakt vorausgegangen war am Ufer des Flusses Red River ein ökumenisches „Taufgedächtnis“, das die Glaubensgemeinschaft der ChristInnen und Kirchen anschaulich bekräftigte. Die Zeremonie, bei der die Gemeindemitglieder zum Gedenken an die empfangene Taufe symbolisch mit Wasser besprengt werden, gehört seit einigen Jahren zum Ritual der LutheranerInnen in Kanada bei bedeutenden kirchlichen Anlässen. Entstanden ist sie aus einem gemeinsamen Projekt der ELKIK mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA) zu neuen Liturgieformen.

Nach der Zeremonie am Fluss zog die große Gemeinde in einer farbenfrohen Prozession ihrer Mitglieder aus aller Welt zum Gottesdienst in die wenige Meter entfernte Kathedrale, die 1908 am Westufer des Red River errichtet und nach ihrer Zerstörung durch einen Brand 1968 als modernes Gemeindezentrum wieder aufgebaut wurde. Die erhaltenen Außenmauern des ursprünglichen Baus und der neue Kirchenraum wurden dabei zu einem eindrucksvollen architektonischen Ensemble gestaltet.

In Kanada wird ein neuer Präsident und Rat des LWB gewählt. Die rund 800 Teilnehmer wollen sich bis zum 31. Juli mit Problemen der Globalisierung, mit Armut, sozialer Ungerechtigkeit und Gewalt auseinander setzen. Dem Lutherischen Weltbund gehören 136 Kirchen aus 76 Ländern an.

ISSN 2222-2464