46. Martinstiftsymposium lotete Grenzen der Behindertenarbeit aus

Die Theatergruppe Malaria des Diakoniewerks sorgte für die künstlerische Umrahmung des Symposiums. Foto: Diakoniewerk
Die Theatergruppe Malaria des Diakoniewerks sorgte für die künstlerische Umrahmung des Symposiums. Foto: Diakoniewerk

Vorträge zu Gewalt, Burnout, Resilienz

Linz (epdÖ) – Den Grenzen der Arbeit mit behinderten Menschen widmete sich das 46. Martinstift-Symposion am Freitag, 12. Oktober, im Linzer Brucknerhaus. Auf Einladung des Diakoniewerks Gallneukirchen sprachen ExpertInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis vor rund 750 BesucherInnen über Themen wie Gewalt, Burnout oder Resilienz. Die Theatergruppe Malaria des Diakoniewerks sorgte für die künstlerische Umrahmung des Symposiums.

„Niederlagen machen nicht stärker, aber sie machen anders“, zitierte in seinem Vortrag Harald Katzmair, Sozialwissenschaftler, Philosoph und Gründer eines Beratungsunternehmens, Box-Legende Muhammed Ali. Katzmair widmete sich der Frage der Resilienz. Krisenzeiten versteht er – in Analogie zum Lauf der Jahreszeiten oder dem Lebenszyklus – als Zeit des Übergangs von Altem zu Neuem. Resilienz bestehe darin, „durch alle Phasen des Zyklus zu navigieren“, was Hochs und Tiefs einschließe.

Der Philosoph und Erziehungswissenschaftler Carlos Escalera präsentierte den Ansatz der „dialogorientierten körperlichen (Krisen-)Intervention“ (DOKI), die darauf abziele, „sich zu schützen, Gewalt zu verstehen und zu intervenieren, ohne zu verletzen.“ Dabei gehe es darum, in Konfliktsituationen die „Bedeutung des Verhaltens und der empfundenen Probleme des betroffenen Menschen“ einer Diagnose zu unterziehen, die Wirkungen des Verhaltens auf das soziale Umfeld zu untersuchen, separate Konflikte aller Betroffenen zu überprüfen und Konzepte „zur Prozess- bzw. Entwicklungsbegleitung und zur Krisenintervention für alle Beteiligten“ zu entwickeln.

Als eine Erfindung versteht die Medizinerin Martina Leibovici die globale Diagnose „Burnout“. Die Gesellschaft gebe sich damit zufrieden, um sich „nicht dem wahren Problem stellen zu müssen.“ Das sei die extreme „Kontrolle und Reglementierung der Lebendigkeit“. Burnout-PatientInnen seien „Vorreiter eines Systemcrashs“, doch dessen Vorzeichen würden übersehen. Auch stünden wirtschaftliche Interessen hinter der Diagnose Burnout, da die „Gesundheits- und Wellnessindustrie“ viel Geld an ihr verdiene. Es gehe darum, „das Dynamische, Unvorhergesehene, Herausfordernde, wieder zuzulassen.“

Alle Vorträge des 46. Martinstiftsymposiums können unter https://www.diakoniewerk.at nachgehört werden.

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ISSN 2222-2464