450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon

Portrait des Reformators Philipp Melanchthon von Lukas Cranach d.Ä. (1532)
Portrait des Reformators Philipp Melanchthon von Lukas Cranach d.Ä. (1532)

Bischof Bünker: Lehrer eines ganzen Kontinents – Als Ökumeniker neu entdeckt – „Wir sind zum Gespräch miteinander geboren“

Wien (epd Ö) – Weltweit erinnern die evangelisch-lutherischen Kirchen an den Reformator Philipp Melanchthon, dessen Todestag sich am Montag, 19. April, zum 450. Mal jährt. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker würdigt den Reformator und „wirkmächtigen“ Weggefährten Martin Luthers als „Lehrer eines ganzen Kontinents“.

Trotz sehr unterschiedlicher Charaktere hätten sich Luther und Melanchthon hervorragend ergänzt. Ohne Melanchthon gebe es keine Bibelübersetzung Luthers, erklärt Bünker. Durch seine „Confessio Augustana“, das „Augsburgische Bekenntnis“, das Melanchthon 1530 verfasste, habe die Evangelische Kirche „in ganz Europa Gestalt und Organisation“ gewonnen. Philipp Melanchthon, so Bünker, sei nicht nur der „Lehrer Deutschlands“, der „Praeceptor Germaniae“, wie er oft bezeichnet wird, sondern gelte „mit Fug und Recht als Lehrer Europas“.

Melanchthon starb am 19. April 1560 in Wittenberg. Sein Grab findet sich in der Wittenberger Schlosskirche neben dem Grab Luthers. „Die beiden gleich gestalteten Grabdenkmäler stehen auch für Glaube und Bildung, die nach evangelischer Überzeugung zusammengehören“, erinnert der Bischof. Melanchthons „Loci communes“ von 1521 gelten als erste lutherische Dogmatik, die bis heute Maßstäbe setze. Seine Kompetenz habe weit über Philologie und Theologie hinausgereicht. Als Schulreformer habe er sich dafür eingesetzt, dass jedes Kind Zugang zur Schulbildung erhalten konnte. Letztlich war Melanchthon an mehr als 50 Schulgründungen beteiligt. Bünker: „Er achtete auf die Schulen mit derselben Aufmerksamkeit, die dem kirchlichen Leben im engeren Sinn zukam.“

Ebenso sei die Schul- und Universitätsreform Melanchthon zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen gewesen. Der Reformator stehe für den Übergang von der spätmittelalterlichen, scholastisch-philosophisch geprägten Artistenfakultät hin zur neuzeitlichen Universität mit den beiden Schwerpunkten der klassischen Bildung und der Naturwissenschaften.

Heute werde Philipp Melanchthon als Ökumeniker neu entdeckt. Seine Maxime „Wir sind zum Gespräch miteinander geboren“ biete wichtige Impulse für aktuelle Fragen, betont Michael Bünker. Dass die Bindung an Gott befreiende Wirkung haben und zum Einstehen für Menschenrechte befähigen kann, verdanke Europa Persönlichkeiten wie Melanchthon.

Mit dem Philologen, Theologen und Schulreformer beschäftigt sich auch das TV-Religionsmagazin „Orientierung“ am kommenden Sonntag. Bischof Bünker hat anlässlich des 450. Todestages der zentralen Persönlichkeit der Wittenberger Reformation Melanchthons Geburtshaus im baden-württembergischen Bretten besucht. Maria Katharina Moser war mit der Kamera dabei.

(ORIENTIERUNG am 18.4.2010, 12.30 Uhr, ORF 2. Wiederholungen am 20.4., 12.25 Uhr, ORF 2, und am 22.4., 11.45 Uhr, 3sat)

ISSN 2222-2464